Donnerstag, 29. Juni 2017

Die Katze

Facebook-Fund des Tages


Auf den Tag genau drei Jahre ist es inzwischen her, dass ich bei Facebook eines meiner Gedichte veröffentlicht habe. Die dort bedichtete Katze gehört nunmehr nur noch zu meinen Erinnerungen. Sie hat mein Leben sehr bereichert, mich oft getröstet und noch öfter zum Lachen gebracht. Solange ich lebe, lebt auch sie. In meiner Seele, meinen Erinnerungen und zum Teil auch in meinen Gedichten. Sie fehlt mir. Jeden Tag, aber an manchen Tagen ganz besonders. Sie wird immer geliebt bleiben.

(Das Gedicht ist nicht besonders gut, aber dafür selten! *kicher*)

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Eines der letzten Bilder meiner Katze 💟

Die Katze

von

Ariana Lazar


Die Katze ist ein seltsam Tier.
Stets um die Beine schleicht es mir.
Liegt gern im Weg, macht nicht gern Platz
und doch ist sie ein großer Schatz.

Frisst nicht allein, gibt keine Ruh,
bespringt mich wie ein Känguruh,
und ob ich will oder auch nicht,
das kümmert meine Katze nicht.

Mag Käse und ist doch keine Maus,
knurrt auch die Klingel gerne aus,
quakt öfter mal wie eine Ente
und macht mich reif für meine Rente.

Steh ich dann mal vom Sofa auf,
liegt auch die Katz schon ruckzuck drauf!
Komm ich dann wieder, bitte sehr,
räumt sie den Platz nicht wieder leer.

Im Gegenteil sie sieht mich dann
lieber mal höchst gelangweilt an:
So nach dem Motto, bleib schön steh’n!
Was musst du auch zur Toilette geh’n?

Hättest ja bleiben können hier,
wo du jetzt sitzt, ist nicht mein Bier!
Dies ist ein schöner warmer Platz
und der gehört jetzt mir mein Schatz.

Gern werden auch Kartons zerfetzt,
sich mitten auf den Tisch gesetzt,
sogar der PVC dran glaubt,
die Katze den Verstand mir raubt!

Komm ich nach längrer Zeit nach Haus,
spielt sie beleidigt, ei der Daus.
Ich brauch auch wirklich keinen Mann,
da meine Katze schnarchen kann.

So macht die Katze dumme Sachen,
das bringt mich öfter mal zum Lachen.
Ich liebe dieses Katzentier,
drum bleibt es auch für immer hier.


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Bitte beachten! Das Urheberrecht an diesem Text / Gedicht liegt ausschließlich bei mir! Jede Veröffentlichung, auch auszugsweise, auf anderen Seiten (Blogs, Foren usw.) ist untersagt und bedarf meiner ausdrücklichen schriftlichen Genehmigung!




© Foto & Text by Ariana Lazar 29/06/2017

Alle Rechte vorbehalten >< All rights reserved

Mittwoch, 21. Juni 2017

Ein schöner Tag


In diesem Monat hat mich das "schwarze Monster" wieder einmal fest in den Krallen. Dabei sollte es eigentlich, so dachte ich jedenfalls, endlich wieder besser werden, nachdem das Theater um die Teilhabeleistungen endlich ad acta gelegt ist. Zwar fehlt mir noch das endgültige "OK" des Amts, aber immerhin habe ich keinen zusätzlichen Papierkram mit den entsprechenden Behördengängen mehr an der Backe. 

Zweieinhalb Jahre Anstrengung, Kampf und Krampf glücklich vorbei, da macht sich zuerst Erleichterung breit und das Gefühl, endlich wieder Raum zu haben, um andere Dinge in Angriff zu nehmen.

Was tatsächlich momentan geblieben ist, ist ein Gefühl der Erschöpfung, wie es wohl auch andere erleben, wenn eine anstrengende und intensive Zeit zu Ende geht.

Ein neuer Abschnitt beginnt, von dem ich noch nicht weiß, wie er sich entwickeln wird und das Beendete hinterlässt eine Lücke.

Dazu kommt, dass der Juni schon seit vielen Jahren mit Erinnerungen belastet ist, die ich nicht einfach abstreifen kann. Der Spruch "Die Zeit hält alle Wunden." trifft keineswegs immer zu und selbst, wenn die Wunde an sich "geheilt" ist, bleiben unter Umständen dicke, schmerzende Narben zurück. Zu manchen Zeiten sind die Narben kaum spürbar, zu anderen scheint die Narbe unvermittelt frisch und der Schmerz kaum erträglich.

Damit lebe ich. Mal mehr, Mal weniger gut. Im Moment eher weniger.

Jedenfalls sitze ich derzeit tief im Loch, meine sozialen Kontakte tendieren gegen null und der Wunsch, die Wohnung zu verlassen und sich unter Menschen zu begeben dürfte im mindestens zweistelligen Minusbereich liegen.

Für Dienstag, also während ich schreibe noch heute, bei der Veröffentlichung des Beitrags wohl eher gestern, war ich zum Grillen eingeladen.

Bis fast zur letzten Minute habe ich gegen das Bedürfnis angekämpft, einfach zu Hause zu bleiben, auch wenn mir absolut bewusst war, dass mir etwas Aktivität, Kontakt, frische Luft und Sonne mehr als wahrscheinlich einfach gut tun wird.

Keine Ahnung, wie ich es geschafft habe, mich selbst zu überreden, denn das ist keinesfalls die Regel, aber am Ende zählt nur, dass ich den Weg doch gemacht habe.

Und ich habe keinen Augenblick bereut. Im Gegenteil. Es war schön ein paar bekannte Gesichter wiederzusehen, ein paar liebe Umarmungen zu bekommen und zwei, drei unbeschwerte Stunden in netter Runde zu verbringen.

Nach dem Grillen ging es mit einem Freund noch in ein nahe gelegenes Cafè und dort schlossen sich einige Stunden mit reden, lachen, Latte macchiato trinken, häkeln (mein Stuhl-Rückenkissen muss endlich fertig werden) und Entspannung an.

Den Abschluss meines Tages bildete der Spaziergang nach Hause. Die größte Hitze war endlich vorbei und so habe ich den Weg zurück sehr genossen. Ganz zum Schluss habe ich dann noch ein Foto von dem wunderbaren Abendhimmel gemacht, den ich lange und ausgiebig bewundert habe.

Abendhimmel über dem Kanal
Manchmal ist das Schwerste das Beste für einen selbst.


Nächtliche Grüße

Ariana




© Fotos & Text by Ariana Lazar 21/06/2017

Alle Rechte vorbehalten >< All rights reserved

Samstag, 17. Juni 2017

Die Korrektur der Disharmonie



Der Mensch überschätzt sich maßlos.


Diesen Satz einer Facebook-Freundin erkläre ich zu meinem heutigen Lieblingssatz.

Es gibt immer wieder Sätze, die mich einen oder mehrere Tage lang begleiten, sich festsetzen und mich zum Nachdenken anregen. Obigen Satz kann ich nur unterstreichen. Doppelt.

Anzunehmen, dass dieser unser Planet besatzungslos durchs Weltall treibt, nur weil es keine Menschen mehr darauf gibt, das mutet schon sehr überheblich an. (Verzeih mir Josef, aber ich nenne die Dinge gerne beim Namen.)

Der Mensch als "Krone der Schöpfung"? Wem ist bloß dieser Schwachsinn eingefallen?

Sind wir nicht eher ein Fehler? Ein destruktives Missgeschick? Ein misslungenes Experiment der Evolutionsgeschichte?

Vor einiger Zeit habe ich mit steigendem Interesse eine sogenannte Dokufiktion-Serie geguckt, die sich "Zukunft ohne Menschen" (Wikipedia) nannte und davon ausging, dass sämtliche Menschen an einem Tag aufhörten zu existieren.

Ein sehr interessantes Szenario mit vielen überraschenden Möglichkeiten. Nun, jedenfalls stirbt das Leben nicht aus, nur weil die Menschen verschwinden. Ganz im Gegenteil, das Leben scheint zu explodieren und die Natur wird sich schnell zurückerobern, was der Mensch zerstört hat. Eine Entwicklung, die ich auch ohne diese fiktive Doku vorausgesehen hätte, da sie mir absolut stimmig und logisch erscheint.

"Die Korrektur der Disharmonie" ist die Geschichte, die sich mir spontan dazu aufgedrängt hat. Es ist eine Science-Fiction-Geschichte. Die Short Story hatte ich 2011 auf SFBasar veröffentlicht und sie wurde, das Gefühl drängte sich mir auf, damals nur teilweise verstanden.

Die meisten Menschen sehen lediglich das Offensichtliche, bleiben an der Oberfläche und verbeißen sich in Nichtigkeiten, womit ihnen der tiefere Sinn einer Erzählung größtenteils verborgen bleibt.

Genug der Vorrede! Lasset die Geschichte beginnen!

Viel Vergnügen


Ariana

Epilog: Was die Kurzgeschichte mit der menschlichen Selbstüberschätzung zu tun hat? Findet es heraus!

PPS: Veröffentlicht wurde die Science-Fiction-Story ursprünglich unter dem Pseudonym Maria Nazira

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Die Korrektur der Disharmonie

Eine Science-Fiction-Kurzgeschichte

von

Ariana Lazar


Pokri Kanikro warf einen prüfenden Blick in die Runde. Keinerlei Disharmonie war spürbar. Überall an den Tischen des großen freundlich dunklen Raums saßen die Schüler ruhig vor ihren Galaktoplanoren und arbeiteten konzentriert an ihren Experimenten, die der Prüfungsvorbereitung dienten.

Sie alle würden die Prüfung, die in Kürze auf sie zukam, bestehen, da war sich das Kroxal sicher, schließlich bildeten diese Prüflinge die Elite der Lehranstalt. Ausgewählt aus Tausenden von Bewerbern, vereinte sich hier die Essenz des unerbittlichen Auswahlverfahrens.

Die Ausbildung zum Galaktoplanorator bedeutete gramorphenlangen Verzicht auf Vergnügungen, harte Arbeit und ein Wissenspotential, das weit über das anderer Talente hinausging.

Als Junal, am Anfang seiner Laufbahn, waren die Jungen sein Aufgabengebiet gewesen.

Das Junal galt als die erste Stufe der Transformation in dem keine Disharmonien mehr entstanden. Da sich jedoch jeder Junal ausgezeichnet an diese unangenehmen Zustände erinnerte, war es dieser Alterstufe als Pflicht auferlegt, sich um die Jungen zu kümmern.

Etwas Schwierigeres gab es nicht. Bei jeder kleinsten Disharmonie bestand die Gefahr, dass ein Junges zu pulsieren anfing, was, wenn man diese nicht schnell genug beseitigte, innerhalb weniger Grkse zur völligen Existenzvernichtung führte. Gerade die außergewöhnlich Begabten tendierten vermehrt zu Disharmonie und Pulsation und nur wenigen von Ihnen gelang die Transformation zu den Mitteljungen.

Eine Aufgabe, die viel Energie verschlang, die eigene Existenz in Gefahr brachte und deshalb auch nur in dieser bestimmten Zeit geleistet werden konnte.

Nachdem es die ersten Zeitalter in voller Harmonie mit den Jungen verbracht hatte, war es als Kroxal, so lautete seine jetzige Transformationsstufe, zu den Mitteljungen gewechselt, um diese auszubilden. Bei den nur noch vereinzelt auftretenden Disharmonien verfielen die Mitteljungen nicht mehr in unkontrollierte Pulsationen, was die Arbeit des Kroxal sehr erleichterte.

Dies war natürlich nur die Grundausbildung, die ein Mitteljunges dazu befähigte selbstständig an und mit einem Galaktoplanor zu arbeiten. Erst als Kroxal wären sie, wie Pokri Kanikro, in der Lage, sich genügend auszudehnen, um eine große Anzahl eigener Galaktoplanore problemlos gleichzeitig zu überwachen.

Mitten in Pokris Betrachtung mehrerer Galaktoplanoren erreichte eine Disharmonie erschreckender Größe sein auf Mkratos Pnikmijus gerichtetes  Außen-Teil. Da Mkratos normalerweise über ein sehr ausgeglichenes und harmonisches Wesen verfügte und zudem eines der begabtesten Mitteljungen war, handelte Pokri ohne Zeitverzögerung. Augenblicklich veränderte es seine äußere Gestalt so, dass ein Teil seines Körpers in unmittelbaren Kontakt mit dem Mitteljungen treten konnte, ohne einen der anderen Schüler in seiner Harmonie stören zu müssen.
Beruhigend wirkte es sanft und behutsam auf das Mitteljunge ein, dabei vorsichtig bemüht, den Grund der Disharmonie schnellstmöglich zu ergründen und zu eliminieren.

Ein Blick auf den Galaktoplanor genügte. Bei dem derzeit laufenden Experiment verhielten sich einige der Komponenten unangemessen disharmonisch. Eine der maßgeblichen Komponenten schien außer Kontrolle geraten zu sein und verhielt sich äußerst zerstörerisch anderen Komponenten gegenüber. Das an sich wäre nicht so tragisch, da das in diesem Stadium der Experimente oft der Fall war und die Schüler lernen mussten, mit den Disharmonien niederer Existenzen umzugehen. Nur wer Disharmonie ertrug, war schließlich in der Lage, sie in Harmonie zu verwandeln, aber diese Komponente schoss weit über das erträgliche Ziel heraus.

Sie wütete gegen jede andere Komponente des Experimentes, hatte schon eine beträchtliche Anzahl restlos eliminiert und schien nicht abzuhalten zu sein, weitere Komponenten zu vernichten. Was Mkratos jedoch an den Rand eines disharmonischen Schocks gebracht hatte, war die Tatsache, das jene schreckliche Komponente, „Mensch“ tituliert, keinerlei Rücksicht auf die eigenen Existenz-Einheiten zu kennen schien, sondern auch diese ohne Zögern vernichtete.
Pokri überlegte nicht, hier musste es sofort eingreifen. Eine kleine Korrektur unter Mithilfe der entprechenden Schaltfläche seines Galaktoplanors genügte und die Komponente „Mensch“ existierte nicht mehr.

Nach dem Verschwinden der disharmonischen Existenz verebbte auch die Disharmonie bei Mkratos Pnikmiju. Die Harmonie kehrte zurück und Pokri vermittelte dem Mitteljungen, wie es solche Auswüchse in Zukunft frühzeitig entdecken und vermeiden könne. Noch ein paar Ratschläge gebend, was eine Verbesserung der übrig gebliebenen disharmonisch agierenden Komponenten zur Folge haben würde, und der Kroxal zog sich wieder zusammen.

Als Galaktoplanorator übernahm man eine ungeheure Verantwortung, dementsprechend vielfältig waren die Fallen, die von den Prüfern in die einzelnen Experimental-Programme eingebaut worden waren.

Die Komponente „Mensch“ hatte sich dabei als besonders prüfungswirksam herausgestellt. Zum Einen verfügte sie über einen nicht zu unterschätzenden emotionalen Faktor, der die Schüler veranlasste, sie nicht von Anfang an zu eliminieren und zum Anderen hatte man ihr genügend disharmonisches Potential beigefügt, um die  Harmoniestabilität der Schüler zu prüfen. Ein Nichtbestehen konnte gleichbedeutend mit dem Existenzende sein.

Der erste seiner Prüflinge hatte den Test der Harmoniestabilität bestanden! Sollte es auch die zahlreichen noch ausstehenden Prüfungen bestehen, hatte es eine reelle Chance, einmal Kroxal zu werden.

Pokri Kanikro warf einen prüfenden Blick in die Runde. Keinerlei Disharmonie war spürbar.

Ende

© by Maria Nazira 2011 / Ariana Lazar 2017

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© Foto & Text by Ariana Lazar 17/06/2017

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Donnerstag, 15. Juni 2017

Nachtgedanken



Vor über einem Jahr habe ich dieses Gedicht geschrieben, es eben wieder entdeckt und festgestellt, dass es nichts von seiner Aktualität verloren hat. Ich weiß nicht, ob es gut ist, was ich aber weiß ist, dass es tief aus meiner Seele kommt, heute wie vor einem Jahr.

Zeitlos das Leid. Blind der Mensch. Wie vor zehn Jahren. Wie vor hundert Jahren. Wie vor tausend Jahren. Seit Anbeginn der Menschheit.


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Nachtgedanken

von Ariana Lazar



Hörst Du den Wind da draußen weinen
in der finstren, kalten Nacht?
Die kalte Nacht in Deinem Herzen
hat ihn um den Schlaf gebracht.

Siehst Du der Sonne Tränen,
versteckt hinter grauem Wolkenkleid?
Deine Hasstiraden nähren,
ihren Kummer und ihr Leid.

Hörst Du das Lied des Stacheldrahtes,
das erzählt von Schmerz und Tod?
Doch Du verstopfst nur Deine Ohren,
willst nichts hören von der Not.

Siehst Du den Mond vom Himmel schwinden,
obwohl es längst nicht seine Zeit?
Er sucht Menschlichkeit zu finden,
um zu lindern Menschenleid.

Hörst Du das Blut in Deinen Ohren,
dass verzweifelt Liebe spricht?
Dein Geschrei, durch Hass geboren,
verflucht Dein Kind. Spürst Du es nicht?

Sieh endlich hin! Öffne die Ohren!
Noch ist es Zeit, sich umzudrehn.
Sind die Früchte des Hasses erst geboren,
wird es schwer zurückzugehn.

Denn Kinder aus Hass geboren
fressen Dich mit Augen und Ohren!
Verschlingen alles mit Haut und Haar.
Alles, was einst menschlich war.


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© Foto & Text by Ariana Lazar 15/06/2017

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Donnerstag, 8. Juni 2017

Der Duft des Ligusters


Ligusterblüten im Gräserstein
Ziemlich spät wurde es gestern, ehe ich mich endlich auf den Weg machte, um meine Vorräte aufzufüllen. Die vorangegangenen Tage haben mich Kraft gekostet.

Selbstüberwindung ist ein großer Krafträuber.

Wie dem auch sei, ich kaufte ein, dazu noch sehr günstig, denn viele Gemüsesorten gab es zum halben Preis. Mit Gemüse dürfte ich für die nächsten Tage mehr als ausreichend versorgt sein.

Auf der meinem Discounter gegenüberliegenden Straßenseite sah ich ein paar weiß blühende Hecken. Die Hoffnung auf ein paar duftende Ligusterblüten, mit denen ich meinen Gräserstein bestücken wollte, bewegte mich dazu, nach dem Einkauf die Straße zu überqueren.

Was ich fand, waren sternförmige weiße Blütenbüschel, die zwar nicht besonders dufteten, aber bezaubernd anzusehen waren. So pflückte ich einige davon, nahm von den anderen weißen Blüten auch ein Stängelchen mit und fügte als Farbkontrast einen Stiel Ackersenf dazu. Lediglich den Ackersenf wusste ich zu benennen, immerhin hatte ich einmal viel Zeit damit verbracht, dem Namen des gelb blühenden Krautes auf den Grund zu kommen.

Kurz vor Erreichen der Stelle, an der ich wieder auf "meine" Straßenseite wechseln musste, stieg mir der unwiderstehliche Honigduft des Sommerflieders in die Nase. Die winzigen lila Blüten des Sommerflieders duften intensiv nach Honig und so wanderte auch davon ein kleiner Blütenzweig in meine Hand.

Zu Hause angekommen arrangierte ich die Blüten in ein kleines Keramikgefäß, das einmal Senf enthalten hatte. Ganz speziellen Senf aus Köln, den mir meine Schwägerin zum Geschenk gemacht hatte, als wir uns 2014 dort trafen. Würde sie noch leben, es würde sie freuen, dass dieses kleine Gefäß einen neuen Bestimmungszweck gefunden hat.

Nachdem die kleine Vase ihren Platz auf meinem Schreibtisch eingenommen hatte und der Einkauf verstaut war, trieb es mich, zu meiner eigenen Überraschung, wieder hinaus.

Normalerweise verlasse ich die Wohnung nicht mehr, wenn ich erst spät einkaufen war, schon gar nicht, wenn das Wetter kühl und unbeständig ist und man jederzeit mit einem neuen Regenschauer rechnen muss.

Halb acht schon. Der Himmel mit dicken grauen Wolken geschmückt. Keine idealen Voraussetzungen für einen Spaziergang.

Trotzdem, eine halbe Stunde müsste "drin sein". Also habe ich die Regenjacke aus Amsterdam übergezogen, den Schal aus Versailles um den Hals geschlungen, Kamera und Schlüssel eingesteckt und bin los.

Laufen tut mir gut. Die gleichmäßige Bewegung hilft mir mich zu erden, klärt meine Gedanken und bildet das notwendige positive Gegengewicht zu den inneren Vorgängen der letzten Tage.

Ohne ein bestimmtes Ziel schlendere ich durch die Straßen, wobei ich die ruhigeren Seitenstraßen immer bevorzuge. Nach ein paar Minuten komme ich an eine der vielen Ligusterhecken vorbei, die man hier findet und natürlich stecke ich alle paar Meter meine Nase in die Blüten, um tief ihren Duft zu inhalieren. Ebenso natürlich ernte ich so einige verwunderte Blicke ob meines seltsamen Tuns. Darüber lache ich nur, denn ich bin mindestens ebenso erstaunt, dass niemand sonst diesen Duft wahrnimmt und genießt.

Mein Weg führt eine lange Zeit fast geradeaus, bis mir einfällt, dass ich den Weg zurück auf jeden Fall auch zu Fuß machen muss, da meine Monatskarte leider ihren Aufenthalt nicht geändert hat und daher noch in meinem Rucksack steckt. Die halbe Stunde ist längst vorbei. Dämmerung verwandelt sich in Dunkelheit und mein Weg zurück geht am Kanalufer entlang. Es riecht nach schwerer feuchter Erde und, je nachdem wie der Wind steht, nach Liguster oder dem am Kanal zahlreich blühenden Holunder.

Im Wasser spiegeln sich die grellen Lichter der Straßenlaternen und das warme Licht der erleuchteten Wohnungen. Es wird ruhiger in der Stadt. Weniger Autolärm, nur noch wenige Menschen unterwegs. Ein paar Jogger, Menschen mit ihren Hunden auf der letzten Gassirunde. Das entfernte Krächzen einer Krähe, das müde Quaken einer Ente. Die Geräusche werden weniger, erscheinen gedämpfter.

Ein Verkehrshut (Warnpylone) als Leuchte - Ideen muss man haben.
Der Geruch der Bäume, Erde und Pflanzen verstärkt sich. Füllt die Luft, hüllt mich ein. Einatmen. Durchatmen. Vollkommen im Hier und Jetzt.

Fast bedauere ich den Schwenk auf die nächste Straße, die letzten Meter bis ich wieder da bin, von wo ich losging. Es ist spät , aus der halben Stunde sind inzwischen mehr als drei geworden.

Auf der Brücke, die sich an dieser Stelle über den Kanal spannt, höre ich das dumpfe Geräusch eines Motors auf dem Fluss. Um diese Zeit transportieren die Schiffe Lasten, keine Touristen. Ein paar schnelle Bilder, dann wird es Zeit, dass ich nach Hause komme.


Nacht auf dem Kanal - Lastkahn

Bevor ich sie sehen kann, rieche ich sie: die Blüten des Ligusters! An diesem Ort habe ich überhaupt nicht damit gerechnet. Ein paar Blüten müssen unbedingt mit, denn mein Gräserstein wartet noch auf eine Füllung.

Es sind keine besonders hübschen Blüten, immerhin ist es dunkel, als ich sie pflücke, aber ihr Duft ist enorm. Es ist erstaunlich, wie viel Duft in diesen zarten Blüten steckt. Er erfüllt den ganzen Raum und ist mir fast schon zu stark, wenn ich am Schreibtisch sitze und ihn einatme. Aber nur fast, denn die Freude über die Blüten überwiegt bei Weitem.

Nun stehen sie auf meinem Schreibtisch und erfreuen meine Augen, meine Nase und meine Seele.

Gräserstein mit Liguster - Sommerflieder, Ackersenf, Falscher Jasmin und die Blüten des Maiblumenstrauchs (Deutzie)

Kleine Dinge haben oft eine große, ungeahnte Wirkung.


Ariana




© Fotos & Text by Ariana Lazar 08/06/2017

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