Mittwoch, 21. Juni 2017

Ein schöner Tag


In diesem Monat hat mich das "schwarze Monster" wieder einmal fest in den Krallen. Dabei sollte es eigentlich, so dachte ich jedenfalls, endlich wieder besser werden, nachdem das Theater um die Teilhabeleistungen endlich ad acta gelegt ist. Zwar fehlt mir noch das endgültige "OK" des Amts, aber immerhin habe ich keinen zusätzlichen Papierkram mit den entsprechenden Behördengängen mehr an der Backe. 

Zweieinhalb Jahre Anstrengung, Kampf und Krampf glücklich vorbei, da macht sich zuerst Erleichterung breit und das Gefühl, endlich wieder Raum zu haben, um andere Dinge in Angriff zu nehmen.

Was tatsächlich momentan geblieben ist, ist ein Gefühl der Erschöpfung, wie es wohl auch andere erleben, wenn eine anstrengende und intensive Zeit zu Ende geht.

Ein neuer Abschnitt beginnt, von dem ich noch nicht weiß, wie er sich entwickeln wird und das Beendete hinterlässt eine Lücke.

Dazu kommt, dass der Juni schon seit vielen Jahren mit Erinnerungen belastet ist, die ich nicht einfach abstreifen kann. Der Spruch "Die Zeit hält alle Wunden." trifft keineswegs immer zu und selbst, wenn die Wunde an sich "geheilt" ist, bleiben unter Umständen dicke, schmerzende Narben zurück. Zu manchen Zeiten sind die Narben kaum spürbar, zu anderen scheint die Narbe unvermittelt frisch und der Schmerz kaum erträglich.

Damit lebe ich. Mal mehr, Mal weniger gut. Im Moment eher weniger.

Jedenfalls sitze ich derzeit tief im Loch, meine sozialen Kontakte tendieren gegen null und der Wunsch, die Wohnung zu verlassen und sich unter Menschen zu begeben dürfte im mindestens zweistelligen Minusbereich liegen.

Für Dienstag, also während ich schreibe noch heute, bei der Veröffentlichung des Beitrags wohl eher gestern, war ich zum Grillen eingeladen.

Bis fast zur letzten Minute habe ich gegen das Bedürfnis angekämpft, einfach zu Hause zu bleiben, auch wenn mir absolut bewusst war, dass mir etwas Aktivität, Kontakt, frische Luft und Sonne mehr als wahrscheinlich einfach gut tun wird.

Keine Ahnung, wie ich es geschafft habe, mich selbst zu überreden, denn das ist keinesfalls die Regel, aber am Ende zählt nur, dass ich den Weg doch gemacht habe.

Und ich habe keinen Augenblick bereut. Im Gegenteil. Es war schön ein paar bekannte Gesichter wiederzusehen, ein paar liebe Umarmungen zu bekommen und zwei, drei unbeschwerte Stunden in netter Runde zu verbringen.

Nach dem Grillen ging es mit einem Freund noch in ein nahe gelegenes Cafè und dort schlossen sich einige Stunden mit reden, lachen, Latte macchiato trinken, häkeln (mein Stuhl-Rückenkissen muss endlich fertig werden) und Entspannung an.

Den Abschluss meines Tages bildete der Spaziergang nach Hause. Die größte Hitze war endlich vorbei und so habe ich den Weg zurück sehr genossen. Ganz zum Schluss habe ich dann noch ein Foto von dem wunderbaren Abendhimmel gemacht, den ich lange und ausgiebig bewundert habe.

Abendhimmel über dem Kanal
Manchmal ist das Schwerste das Beste für einen selbst.


Nächtliche Grüße

Ariana




© Fotos & Text by Ariana Lazar 21/06/2017

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Samstag, 17. Juni 2017

Die Korrektur der Disharmonie



Der Mensch überschätzt sich maßlos.


Diesen Satz einer Facebook-Freundin erkläre ich zu meinem heutigen Lieblingssatz.

Es gibt immer wieder Sätze, die mich einen oder mehrere Tage lang begleiten, sich festsetzen und mich zum Nachdenken anregen. Obigen Satz kann ich nur unterstreichen. Doppelt.

Anzunehmen, dass dieser unser Planet besatzungslos durchs Weltall treibt, nur weil es keine Menschen mehr darauf gibt, das mutet schon sehr überheblich an. (Verzeih mir Josef, aber ich nenne die Dinge gerne beim Namen.)

Der Mensch als "Krone der Schöpfung"? Wem ist bloß dieser Schwachsinn eingefallen?

Sind wir nicht eher ein Fehler? Ein destruktives Missgeschick? Ein misslungenes Experiment der Evolutionsgeschichte?

Vor einiger Zeit habe ich mit steigendem Interesse eine sogenannte Dokufiktion-Serie geguckt, die sich "Zukunft ohne Menschen" (Wikipedia) nannte und davon ausging, dass sämtliche Menschen an einem Tag aufhörten zu existieren.

Ein sehr interessantes Szenario mit vielen überraschenden Möglichkeiten. Nun, jedenfalls stirbt das Leben nicht aus, nur weil die Menschen verschwinden. Ganz im Gegenteil, das Leben scheint zu explodieren und die Natur wird sich schnell zurückerobern, was der Mensch zerstört hat. Eine Entwicklung, die ich auch ohne diese fiktive Doku vorausgesehen hätte, da sie mir absolut stimmig und logisch erscheint.

"Die Korrektur der Disharmonie" ist die Geschichte, die sich mir spontan dazu aufgedrängt hat. Es ist eine Science-Fiction-Geschichte. Die Short Story hatte ich 2011 auf SFBasar veröffentlicht und sie wurde, das Gefühl drängte sich mir auf, damals nur teilweise verstanden.

Die meisten Menschen sehen lediglich das Offensichtliche, bleiben an der Oberfläche und verbeißen sich in Nichtigkeiten, womit ihnen der tiefere Sinn einer Erzählung größtenteils verborgen bleibt.

Genug der Vorrede! Lasset die Geschichte beginnen!

Viel Vergnügen


Ariana

Epilog: Was die Kurzgeschichte mit der menschlichen Selbstüberschätzung zu tun hat? Findet es heraus!

PPS: Veröffentlicht wurde die Science-Fiction-Story ursprünglich unter dem Pseudonym Maria Nazira

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Die Korrektur der Disharmonie

Eine Science-Fiction-Kurzgeschichte

von

Ariana Lazar


Pokri Kanikro warf einen prüfenden Blick in die Runde. Keinerlei Disharmonie war spürbar. Überall an den Tischen des großen freundlich dunklen Raums saßen die Schüler ruhig vor ihren Galaktoplanoren und arbeiteten konzentriert an ihren Experimenten, die der Prüfungsvorbereitung dienten.

Sie alle würden die Prüfung, die in Kürze auf sie zukam, bestehen, da war sich das Kroxal sicher, schließlich bildeten diese Prüflinge die Elite der Lehranstalt. Ausgewählt aus Tausenden von Bewerbern, vereinte sich hier die Essenz des unerbittlichen Auswahlverfahrens.

Die Ausbildung zum Galaktoplanorator bedeutete gramorphenlangen Verzicht auf Vergnügungen, harte Arbeit und ein Wissenspotential, das weit über das anderer Talente hinausging.

Als Junal, am Anfang seiner Laufbahn, waren die Jungen sein Aufgabengebiet gewesen.

Das Junal galt als die erste Stufe der Transformation in dem keine Disharmonien mehr entstanden. Da sich jedoch jeder Junal ausgezeichnet an diese unangenehmen Zustände erinnerte, war es dieser Alterstufe als Pflicht auferlegt, sich um die Jungen zu kümmern.

Etwas Schwierigeres gab es nicht. Bei jeder kleinsten Disharmonie bestand die Gefahr, dass ein Junges zu pulsieren anfing, was, wenn man diese nicht schnell genug beseitigte, innerhalb weniger Grkse zur völligen Existenzvernichtung führte. Gerade die außergewöhnlich Begabten tendierten vermehrt zu Disharmonie und Pulsation und nur wenigen von Ihnen gelang die Transformation zu den Mitteljungen.

Eine Aufgabe, die viel Energie verschlang, die eigene Existenz in Gefahr brachte und deshalb auch nur in dieser bestimmten Zeit geleistet werden konnte.

Nachdem es die ersten Zeitalter in voller Harmonie mit den Jungen verbracht hatte, war es als Kroxal, so lautete seine jetzige Transformationsstufe, zu den Mitteljungen gewechselt, um diese auszubilden. Bei den nur noch vereinzelt auftretenden Disharmonien verfielen die Mitteljungen nicht mehr in unkontrollierte Pulsationen, was die Arbeit des Kroxal sehr erleichterte.

Dies war natürlich nur die Grundausbildung, die ein Mitteljunges dazu befähigte selbstständig an und mit einem Galaktoplanor zu arbeiten. Erst als Kroxal wären sie, wie Pokri Kanikro, in der Lage, sich genügend auszudehnen, um eine große Anzahl eigener Galaktoplanore problemlos gleichzeitig zu überwachen.

Mitten in Pokris Betrachtung mehrerer Galaktoplanoren erreichte eine Disharmonie erschreckender Größe sein auf Mkratos Pnikmijus gerichtetes  Außen-Teil. Da Mkratos normalerweise über ein sehr ausgeglichenes und harmonisches Wesen verfügte und zudem eines der begabtesten Mitteljungen war, handelte Pokri ohne Zeitverzögerung. Augenblicklich veränderte es seine äußere Gestalt so, dass ein Teil seines Körpers in unmittelbaren Kontakt mit dem Mitteljungen treten konnte, ohne einen der anderen Schüler in seiner Harmonie stören zu müssen.
Beruhigend wirkte es sanft und behutsam auf das Mitteljunge ein, dabei vorsichtig bemüht, den Grund der Disharmonie schnellstmöglich zu ergründen und zu eliminieren.

Ein Blick auf den Galaktoplanor genügte. Bei dem derzeit laufenden Experiment verhielten sich einige der Komponenten unangemessen disharmonisch. Eine der maßgeblichen Komponenten schien außer Kontrolle geraten zu sein und verhielt sich äußerst zerstörerisch anderen Komponenten gegenüber. Das an sich wäre nicht so tragisch, da das in diesem Stadium der Experimente oft der Fall war und die Schüler lernen mussten, mit den Disharmonien niederer Existenzen umzugehen. Nur wer Disharmonie ertrug, war schließlich in der Lage, sie in Harmonie zu verwandeln, aber diese Komponente schoss weit über das erträgliche Ziel heraus.

Sie wütete gegen jede andere Komponente des Experimentes, hatte schon eine beträchtliche Anzahl restlos eliminiert und schien nicht abzuhalten zu sein, weitere Komponenten zu vernichten. Was Mkratos jedoch an den Rand eines disharmonischen Schocks gebracht hatte, war die Tatsache, das jene schreckliche Komponente, „Mensch“ tituliert, keinerlei Rücksicht auf die eigenen Existenz-Einheiten zu kennen schien, sondern auch diese ohne Zögern vernichtete.
Pokri überlegte nicht, hier musste es sofort eingreifen. Eine kleine Korrektur unter Mithilfe der entprechenden Schaltfläche seines Galaktoplanors genügte und die Komponente „Mensch“ existierte nicht mehr.

Nach dem Verschwinden der disharmonischen Existenz verebbte auch die Disharmonie bei Mkratos Pnikmiju. Die Harmonie kehrte zurück und Pokri vermittelte dem Mitteljungen, wie es solche Auswüchse in Zukunft frühzeitig entdecken und vermeiden könne. Noch ein paar Ratschläge gebend, was eine Verbesserung der übrig gebliebenen disharmonisch agierenden Komponenten zur Folge haben würde, und der Kroxal zog sich wieder zusammen.

Als Galaktoplanorator übernahm man eine ungeheure Verantwortung, dementsprechend vielfältig waren die Fallen, die von den Prüfern in die einzelnen Experimental-Programme eingebaut worden waren.

Die Komponente „Mensch“ hatte sich dabei als besonders prüfungswirksam herausgestellt. Zum Einen verfügte sie über einen nicht zu unterschätzenden emotionalen Faktor, der die Schüler veranlasste, sie nicht von Anfang an zu eliminieren und zum Anderen hatte man ihr genügend disharmonisches Potential beigefügt, um die  Harmoniestabilität der Schüler zu prüfen. Ein Nichtbestehen konnte gleichbedeutend mit dem Existenzende sein.

Der erste seiner Prüflinge hatte den Test der Harmoniestabilität bestanden! Sollte es auch die zahlreichen noch ausstehenden Prüfungen bestehen, hatte es eine reelle Chance, einmal Kroxal zu werden.

Pokri Kanikro warf einen prüfenden Blick in die Runde. Keinerlei Disharmonie war spürbar.

Ende

© by Maria Nazira 2011 / Ariana Lazar 2017

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Bitte beachten! Das Urheberrecht an diesem Text / Gedicht liegt ausschließlich bei mir! Jede Veröffentlichung, auch auszugsweise, auf anderen Seiten (Blogs, Foren usw.) ist untersagt und bedarf meiner ausdrücklichen schriftlichen Genehmigung!



© Foto & Text by Ariana Lazar 17/06/2017

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Donnerstag, 15. Juni 2017

Nachtgedanken



Vor über einem Jahr habe ich dieses Gedicht geschrieben, es eben wieder entdeckt und festgestellt, dass es nichts von seiner Aktualität verloren hat. Ich weiß nicht, ob es gut ist, was ich aber weiß ist, dass es tief aus meiner Seele kommt, heute wie vor einem Jahr.

Zeitlos das Leid. Blind der Mensch. Wie vor zehn Jahren. Wie vor hundert Jahren. Wie vor tausend Jahren. Seit Anbeginn der Menschheit.


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Nachtgedanken

von Ariana Lazar



Hörst Du den Wind da draußen weinen
in der finstren, kalten Nacht?
Die kalte Nacht in Deinem Herzen
hat ihn um den Schlaf gebracht.

Siehst Du der Sonne Tränen,
versteckt hinter grauem Wolkenkleid?
Deine Hasstiraden nähren,
ihren Kummer und ihr Leid.

Hörst Du das Lied des Stacheldrahtes,
das erzählt von Schmerz und Tod?
Doch Du verstopfst nur Deine Ohren,
willst nichts hören von der Not.

Siehst Du den Mond vom Himmel schwinden,
obwohl es längst nicht seine Zeit?
Er sucht Menschlichkeit zu finden,
um zu lindern Menschenleid.

Hörst Du das Blut in Deinen Ohren,
dass verzweifelt Liebe spricht?
Dein Geschrei, durch Hass geboren,
verflucht Dein Kind. Spürst Du es nicht?

Sieh endlich hin! Öffne die Ohren!
Noch ist es Zeit, sich umzudrehn.
Sind die Früchte des Hasses erst geboren,
wird es schwer zurückzugehn.

Denn Kinder aus Hass geboren
fressen Dich mit Augen und Ohren!
Verschlingen alles mit Haut und Haar.
Alles, was einst menschlich war.


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© Foto & Text by Ariana Lazar 15/06/2017

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Donnerstag, 8. Juni 2017

Der Duft des Ligusters


Ligusterblüten im Gräserstein
Ziemlich spät wurde es gestern, ehe ich mich endlich auf den Weg machte, um meine Vorräte aufzufüllen. Die vorangegangenen Tage haben mich Kraft gekostet.

Selbstüberwindung ist ein großer Krafträuber.

Wie dem auch sei, ich kaufte ein, dazu noch sehr günstig, denn viele Gemüsesorten gab es zum halben Preis. Mit Gemüse dürfte ich für die nächsten Tage mehr als ausreichend versorgt sein.

Auf der meinem Discounter gegenüberliegenden Straßenseite sah ich ein paar weiß blühende Hecken. Die Hoffnung auf ein paar duftende Ligusterblüten, mit denen ich meinen Gräserstein bestücken wollte, bewegte mich dazu, nach dem Einkauf die Straße zu überqueren.

Was ich fand, waren sternförmige weiße Blütenbüschel, die zwar nicht besonders dufteten, aber bezaubernd anzusehen waren. So pflückte ich einige davon, nahm von den anderen weißen Blüten auch ein Stängelchen mit und fügte als Farbkontrast einen Stiel Ackersenf dazu. Lediglich den Ackersenf wusste ich zu benennen, immerhin hatte ich einmal viel Zeit damit verbracht, dem Namen des gelb blühenden Krautes auf den Grund zu kommen.

Kurz vor Erreichen der Stelle, an der ich wieder auf "meine" Straßenseite wechseln musste, stieg mir der unwiderstehliche Honigduft des Sommerflieders in die Nase. Die winzigen lila Blüten des Sommerflieders duften intensiv nach Honig und so wanderte auch davon ein kleiner Blütenzweig in meine Hand.

Zu Hause angekommen arrangierte ich die Blüten in ein kleines Keramikgefäß, das einmal Senf enthalten hatte. Ganz speziellen Senf aus Köln, den mir meine Schwägerin zum Geschenk gemacht hatte, als wir uns 2014 dort trafen. Würde sie noch leben, es würde sie freuen, dass dieses kleine Gefäß einen neuen Bestimmungszweck gefunden hat.

Nachdem die kleine Vase ihren Platz auf meinem Schreibtisch eingenommen hatte und der Einkauf verstaut war, trieb es mich, zu meiner eigenen Überraschung, wieder hinaus.

Normalerweise verlasse ich die Wohnung nicht mehr, wenn ich erst spät einkaufen war, schon gar nicht, wenn das Wetter kühl und unbeständig ist und man jederzeit mit einem neuen Regenschauer rechnen muss.

Halb acht schon. Der Himmel mit dicken grauen Wolken geschmückt. Keine idealen Voraussetzungen für einen Spaziergang.

Trotzdem, eine halbe Stunde müsste "drin sein". Also habe ich die Regenjacke aus Amsterdam übergezogen, den Schal aus Versailles um den Hals geschlungen, Kamera und Schlüssel eingesteckt und bin los.

Laufen tut mir gut. Die gleichmäßige Bewegung hilft mir mich zu erden, klärt meine Gedanken und bildet das notwendige positive Gegengewicht zu den inneren Vorgängen der letzten Tage.

Ohne ein bestimmtes Ziel schlendere ich durch die Straßen, wobei ich die ruhigeren Seitenstraßen immer bevorzuge. Nach ein paar Minuten komme ich an eine der vielen Ligusterhecken vorbei, die man hier findet und natürlich stecke ich alle paar Meter meine Nase in die Blüten, um tief ihren Duft zu inhalieren. Ebenso natürlich ernte ich so einige verwunderte Blicke ob meines seltsamen Tuns. Darüber lache ich nur, denn ich bin mindestens ebenso erstaunt, dass niemand sonst diesen Duft wahrnimmt und genießt.

Mein Weg führt eine lange Zeit fast geradeaus, bis mir einfällt, dass ich den Weg zurück auf jeden Fall auch zu Fuß machen muss, da meine Monatskarte leider ihren Aufenthalt nicht geändert hat und daher noch in meinem Rucksack steckt. Die halbe Stunde ist längst vorbei. Dämmerung verwandelt sich in Dunkelheit und mein Weg zurück geht am Kanalufer entlang. Es riecht nach schwerer feuchter Erde und, je nachdem wie der Wind steht, nach Liguster oder dem am Kanal zahlreich blühenden Holunder.

Im Wasser spiegeln sich die grellen Lichter der Straßenlaternen und das warme Licht der erleuchteten Wohnungen. Es wird ruhiger in der Stadt. Weniger Autolärm, nur noch wenige Menschen unterwegs. Ein paar Jogger, Menschen mit ihren Hunden auf der letzten Gassirunde. Das entfernte Krächzen einer Krähe, das müde Quaken einer Ente. Die Geräusche werden weniger, erscheinen gedämpfter.

Ein Verkehrshut (Warnpylone) als Leuchte - Ideen muss man haben.
Der Geruch der Bäume, Erde und Pflanzen verstärkt sich. Füllt die Luft, hüllt mich ein. Einatmen. Durchatmen. Vollkommen im Hier und Jetzt.

Fast bedauere ich den Schwenk auf die nächste Straße, die letzten Meter bis ich wieder da bin, von wo ich losging. Es ist spät , aus der halben Stunde sind inzwischen mehr als drei geworden.

Auf der Brücke, die sich an dieser Stelle über den Kanal spannt, höre ich das dumpfe Geräusch eines Motors auf dem Fluss. Um diese Zeit transportieren die Schiffe Lasten, keine Touristen. Ein paar schnelle Bilder, dann wird es Zeit, dass ich nach Hause komme.


Nacht auf dem Kanal - Lastkahn

Bevor ich sie sehen kann, rieche ich sie: die Blüten des Ligusters! An diesem Ort habe ich überhaupt nicht damit gerechnet. Ein paar Blüten müssen unbedingt mit, denn mein Gräserstein wartet noch auf eine Füllung.

Es sind keine besonders hübschen Blüten, immerhin ist es dunkel, als ich sie pflücke, aber ihr Duft ist enorm. Es ist erstaunlich, wie viel Duft in diesen zarten Blüten steckt. Er erfüllt den ganzen Raum und ist mir fast schon zu stark, wenn ich am Schreibtisch sitze und ihn einatme. Aber nur fast, denn die Freude über die Blüten überwiegt bei Weitem.

Nun stehen sie auf meinem Schreibtisch und erfreuen meine Augen, meine Nase und meine Seele.

Gräserstein mit Liguster - Sommerflieder, Ackersenf, Falscher Jasmin und die Blüten des Maiblumenstrauchs (Deutzie)

Kleine Dinge haben oft eine große, ungeahnte Wirkung.


Ariana




© Fotos & Text by Ariana Lazar 08/06/2017

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Dienstag, 6. Juni 2017

Flashback - Blitzartige Erinnerungen



Heute


Es wird ernst. Ein komisches Gefühl in der Magengegend, leichte Beklemmung in der Brust. Leise Zweifel, ob dieses Schrittes in eine neue Richtung.

Das ist normal, sage ich mir. Veränderungen sind nie leicht, kosten immer Überwindung. Es ist halt nie abzusehen, was sich daraus ergibt.

Wohin der neue Weg führt? Abwarten. Es wird schon gut werden.

Ich rede mir selbst gut zu, blicke zurück auf den langen Weg, den ich schon gegangen bin, und mache mir selbst Mut. Es ist notwendig. Noch einmal tief durchatmen. Dann Augen auf und durch!

Vorgestern


Dies ist keine übliche Geschichte. Nichts auf meinem Blog ist auch nur annähernd damit vergleichbar. Kein netter Spaziergang, keine schönen Bilder. Es zeigt die andere Seite in meinem Leben. Die Dunkle, Schmerzvolle. Nur ein paar Stunden die es in sich hatten. Eine Nacht, nach der nichts mehr so war wie zuvor. Ereignisse die mein Leben auf den Kopf stellten und es mehr veränderten als alles davor oder danach.

Was ist ein Flashback?


Laut Wikipedia ist ein Flashback "(englisch, blitz(artig) zurück, sinngemäß übersetzt etwa Wiedererleben oder Nachhallerinnerung) ein psychologisches Phänomen, welches durch einen Schlüsselreiz hervorgerufen wird. Die betroffene Person hat dann ein plötzliches, für gewöhnlich kraftvolles Wiedererleben eines vergangenen Erlebnisses oder früherer Gefühlszustände. Diese Erinnerungen können von jeder vorstellbaren Gefühlsart sein.

Der Begriff wird vor allem dann benutzt, wenn die Erinnerung unwillkürlich auftaucht und/oder wenn sie so stark ist, dass die Person die Erfahrung wieder durchlebt, unfähig, sie völlig als Erinnerung zu erkennen."


Eine sehr gute, überaus verständliche und ausführliche Erklärung für das Wort "Trigger" habe ich auf dem Blog TraumaReport gefunden, das diesmal ebenfalls eine Rolle spielen wird.

Achtung Trigger!


Dies wird meine erste Geschichte, der ich diese Warnung voranstelle. Diese Geschichte ist keine Fiktion, sondern ein kurzes, aber grelles Blitzlicht aus meiner eigenen Vergangenheit.

Besonders sensible Menschen, Menschen mit Gewalterfahrungen und/oder Menschen mit psychischen Krisenerfahrungen und eventuell damit verbundenen Psychiatrieaufenthalten sollten gut abwägen, ob sie die folgende Kurzgeschichte lesen wollen, da sie mehrere Trigger enthält. Keine leicht verdauliche Kost.

Eine dringende Bitte lege ich jedem Leser ans Herz: wenn es zu viel wird, lege eine Pause ein oder hör auf! Selbstfürsorge ist oberstes Gebot und gilt hier ganz besonders. Achte gut auf das eigene Bauchgefühl, das ist in der Regel der sicherste Indikator und zeigt mit untrüglicher Sicherheit an, wann es genug ist.

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Flashback

Eine Kurzgeschichte 
von 
Ariana Lazar

Man hat mich im Krankenwagen hierher gebracht. Hierher, in diesen großen weißen kalten Raum. Mitten in der Nacht. Ich soll auf den Arzt warten, hat man mir gesagt. Nicht einmal anziehen durfte ich mich. Sitze hier im Schlafanzug im kalten Licht einer Schreibtischlampe. Was soll ich hier? Um diese Zeit sollte ich zu Hause sein, bei den Kindern.

Endlich kommt der Arzt. Seine Stimme hallt in dem großen Raum. Er stellt mir eine Menge seltsamer Fragen, die ich alle ehrlich beantworte. Er glaubt mir nicht, das kann ich sehen.

Als er den Raum verlässt, sagt er noch, dass mich jemand abholen wird und ich warten soll.

Ich warte. Lange. Die Zeit dehnt sich aus bis in die Endlosigkeit, aber es kommt niemand. Ich habe die Kinder nachts noch nie alleine zu Hause gelassen. ER ist zwar da, aber das ist keine gute Lösung. Ich warte weiter. Man hat mich vergessen. Wahrscheinlich war alles ein blöder Irrtum und man hat nur vergessen mir mitzuteilen, dass ich nach Hause gehen kann.

Langsam stehe ich auf, verlasse den Raum. Meine Orientierung funktioniert noch, den Weg durch die langen spärlich beleuchteten Klinikflure hinaus ins Freie, ich finde ihn mühelos. Ich habe keine Eile, freue mich in ein paar Minuten wieder da zu sein, wo ich hingehöre.

Plötzlich Schritte und Stimmen hinter mir. Zwei Männer rufen, dass ich stehen bleiben soll. Angst steigt in mir auf, ich laufe schneller. Niemand sonst in meiner Nähe. Sie fangen an zu rennen, ich auch. Nur weg hier! Sie sind schneller als ich in meinen Pantoffeln, die mich am Laufen hindern. Sie erwischen mich. Schreien mich an. Reißen mich an meinen Armen herum und zwingen mich mit roher Gewalt zur Umkehr.

Niemand hört meine Schreie und kommt mir zu Hilfe. Es ist Nacht, niemand mehr unterwegs. Nur diese Männer, die mich zurückzerren, so sehr ich mich auch wehre. Sie sind so viel stärker als ich. Ich habe keine Chance. Als ich das erkenne, höre ich auf zu schreien, aber ich wehre mich weiter so gut ich kann. Es hilft nichts. Sie reden auf mich ein, aber ich verstehe sie nicht, spüre nur ihre Hände, die sich schmerzhaft in meine Arme krallen und bestehe nur noch aus Angst und Panik. Warum hilft mir denn niemand? Was geschieht hier mit mir?

Zurück in der Klinik schnallen sie mich auf einen Rollstuhl fest. Ich will hier weg! Was haben die mit mir vor? Atemlos, panisch, wehrlos wie ich bin, höre ich dennoch nicht auf entkommen zu wollen. Man schiebt mich in einen Aufzug und dann geht es abwärts. Als die Fahrstuhltüre sich wieder öffnet, erkenne ich einen gefliesten Keller. Todesangst. Da ist kein Platz mehr für ein anderes Gefühl. Nur pure Todesangst.

Der Mann, inzwischen ist es nur noch einer, schiebt mich durch nicht enden wollende geflieste Tunnelgänge. Kaltes Neonlicht verstärkt die tödliche Kälte ausstrahlenden alten Fliesen. Ein wahr gewordener Albtraum. Ein Szenario wie aus einem Horrorfilm. Meine Kehle ist wie zugeschnürt, ich bekomme kaum noch Luft. Die Angst hält mich erbarmungslos in ihren scharfen Krallen.

Irgendwie bekomme ich die Füße aus den Schnallen, in denen sie festsitzen, stemme diese mit aller noch vorhandenen Kraft gegen den Boden, um die Fahrt zu beenden. Hoffnungslos. Vergebens. Der Mann kippt den Rollstuhl nach hinten und schiebt einfach weiter. Meine Welt ist aus den Fugen geraten und ich bin sicher, dass am Ende des Tunnels mein eigenes Leben zu Ende gehen wird. Unmöglich kann ich diese Nacht überleben.

Als ich schon alle Hoffung auf ein Ende dieser Tunnelfahrt aufgegeben habe, geht es mit einem weiteren Aufzug aufwärts. Fremde Menschen blicken mich teilnahmslos an, als ich den langen Flur entlang geschoben werde. Mir wird gleich klar, hier habe ich nichts zu erwarten. Kein Mitgefühl. Keine Hilfe. Nicht einmal Interesse. Gleichgültigkeit. Abgestumpftheit. Desinteresse.

Als wir in einem helleren Raum ankommen, in dem sich mehrere Menschen befinden, atmete ich kurzfristig auf. Aber nicht lange.

Man schiebt mich in ein Zimmer, bugsiert mich auf ein Bett. Dann kommt jemand mit einer Spritze, die er mir geben will. Meine Panik steigt ins Unermessliche. Jetzt ist es also soweit. So soll es also passieren. Mit einer Spritze. Vergiften wollen sie mich also und erwarten, dass ich es einfach so mit mir geschehen lasse. Augenblicklich ist sie wieder da, die Todesangst. Sie werden mir eine tödliche Spritze geben und niemand wird jemals erfahren, was mir wiederfahren ist. Wer tot ist, redet nicht.

Nein! Nein, ich will diese Spritze nicht! Ihr wollt mich umbringen! Ich schreie aus Leibeskräften und wehre mich mit allem, was ich noch zur Verfügung habe. Zu viert stürzen sie sich auf mich. Ich rufe laut und verzweifelt nach meiner Mutter, die schon lange nicht mehr lebt. Ich werde zum Kind. Schreie. Krümme mich. Biete alles auf, was ich noch mobilisieren kann und kämpfe wie eine Ertrinkende um mein Leben.

Sie gewinnen. Schnallen mich fest. Selbst mit den Lederriemen an den Handgelenken, den Fußgelenken, über Brust und dem Bauch setze ich mich noch zur Wehr. Ich will nicht sterben!

Irgendwann gelingt es ihnen mir die Spritze zu verabreichen, da resigniere ich. Vergewaltigt, erniedrigt, niedergerungen, wehrlos warte ich auf den Tod. Selbst jetzt will ich mich dem Tod nicht ergeben, weigere mich trotzig zu sterben. Einmal, wenigstens noch ein einziges, letztes Mal will ich den Himmel sehen. Ein letztes Mal den Tag begrüßen.

Und so liege ich auf dem Bett, weigere mich zu sterben oder zu schlafen und starre ununterbrochen auf das vergitterte Fenster, das mir einen kleinen Ausblick auf den Nachthimmel gestattet.

Die Zeit verliert ihre Bedeutung. Tränen laufen über mein Gesicht, weil ich meine Kinder nie mehr sehen werde. Die Anderen, sie haben gewonnen. Wieder einmal bin ich unterlegen, muss der Gewalt nachgeben. Endgültig diesmal.

Stunden liege ich so. Weinend. Ohne Hoffnung. Ohne Zukunft. Zerbrochen. Zerschlagen. Unendlich einsam. Sterbend.

Langsam wird es Tag. Von meinem Platz aus kann ich ein winziges Stück Himmel sehen. Es wird blau. Und ich lebe. Immer noch!

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Manchmal muss man sterben, um zu leben!

Ariana



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© Foto & Text by Ariana Lazar 06/06/2017

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Montag, 5. Juni 2017

Diagnose: MENSCH!


Gestern Nacht habe ich einen neuen Blogartikel geschrieben. Einen Artikel, der derzeit im Blog "auf Eis" liegt. Entstanden aufgrund eines persönlichen Ereignisses zu einem Thema, das immer noch mit vielen Tabus behaftet ist und zu dem seltsame, teilweise sehr abstruse Ansichten in Umlauf sind.

Ein Thema, das zu mir gehört, wie das Atmen. Wie kann ich es hier ausklammern? Wie kann ich etwas nicht ansprechen, was mein Leben so stark geprägt hat und meine Handlungen immer noch beeinflusst? Was hindert mich an der Veröffentlichung?

Das Thema Psychiatrie


ist eines der letzten großen, von Angst, Vorurteilen und Tabus besetzten Themen unserer Zeit. Viele wird diese Aussage zum Widerspruch reizen, denn Burn-out und Depression werden heutzutage immer öfter in diversen Medien behandelt. Das stimmt. Jedoch nur bedingt, denn in diesen Ausnahmefällen gilt unterschwellig zu häufig der Tenor: Die armen, armen Menschen, die darunter leiden!

Wie mich dieses Mitleid heischende falsche Getue ankotzt!

Oft wird im Rahmen vorgeblicher Aufklärung ein teilweise gefährliches Nicht- bzw. Halbwissen unter die Menschen gebracht. Dieses Halbwissen führt in vielen Fällen dazu, dass sich Hinz und Kunz dazu berufen fühlen jedem, der in einer psychischen Krise steckt ungefragt und ungebeten unnütze "gut gemeinte" Ratschläge zu erteilen, die, im günstigsten Fall, nichts anderes darstellen als bloße Plattheiten und blöde Sprüche.

Hat man die Diagnose Borderline oder gar Psychose / Schizophrenie, sieht das noch ganz anders aus. Die Berichterstattung in den Medien was Psychosen und Schizophrenie angeht, ist zu einem großen Teil stark stigmatisierend. In jedem zweiten Krimi oder Thriller ist der Mörder ein Psychopath oder Psychotiker. Aktuelle Mordfälle sind nur dann von öffentlichem Interesse, wenn mindestens ein Psychotiker darin vorkommt, denn die vielen "normalen" Mörder, die wesentlich häufiger in Erscheinung treten, liefern keine Einschalt- bzw. Verkaufsquoten.

Einer aktuellen Studie zufolge wird über Gewalttaten im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen sieben Mal (natürlich finde ich die Studie gerade nicht!) häufiger berichtet, als über die, die von sogenannten "Normalen" begangen werden. Die häufigsten Morde begehen z. B. Männer an ihren Ehefrauen. Diese Taten bieten jedoch kaum einen Anreiz zur Veröffentlichung. Sie enthalten kaum Möglichkeiten zu reißerischen Schlagzeilen, bieten keine guten Vermarktungsmöglichkeiten und gehören daher nicht in den Bereich "Auflagen steigernd".

So tragen Krimis und die aktuelle Medienberichterstattung einen großen Teil zur weiteren Stigmatisierung psychisch kranker Menschen bei. Damit werden bereits vorhandene Ängste verstärkt, Vorurteile gebildet, Ausgrenzung gefördert und eine wirksame Inklusion weiterhin verhindert.

Psychiatrie und ich


Warum erwähne ich das überhaupt? Wäre es nicht erheblich einfacher, wenn ich alles so lassen würde, wie es ist. Den Blog mit schönen Bildern, kurzweiligen Geschichten und ein paar nachdenklichen Notizen füllen? Friede, Freude, Eierkuchen?

Ja, es wäre einfacher, aber ich habe in meinem Leben nie den einfachsten Weg gewählt und ich werde garantiert nicht jetzt damit anfangen! Psychiatrie und psychische Krisen bilden einen nicht geringen Teil meines Lebens. Einen Teil, mit dem ich immer offen umgegangen bin, den ich nie versteckt habe.

Meiner festen Überzeugung nach lässt sich nur etwas ändern, wenn man selbst etwas dazu beiträgt. Schöne Gedanken, einfache Klicks und reines Wunschdenken hat noch nie eine Veränderung bewirkt. Nirgends und zu keinen Zeiten.

Seit einigen Jahren engagiere ich mich in diesem ganz speziellen Bereich, besuche Tagungen, Kongresse und nehme an trialogischen Psychoseseminaren teil, die ich teilweise als Mitmoderatorin mitgestalte.

Ich mische mich ein, habe keine Angst vor "großen Tieren", sage unverblümt und keinesfalls leise meine Meinung und habe die Ausbildung zur EX-IN abgeschlossen.

In meinem Blog findet man bisher davon kaum eine Spur. Ein existenzieller Teil meines Selbst fehlt.

Warum?

Diese Frage stelle ich mir und ich habe die Antwort darauf gefunden. Angst vor Outing? Nein, die hatte ich nie. Angst vor seltsamen Reaktionen? Damit kann ich umgehen.

Was mich abhält, den oben erwähnten Artikel zu veröffentlichen ist seltsamerweise etwas, worauf selbst ich nicht so schnell gekommen bin. Etwas, wozu ich erst diesen Text verfassen musste.

Es ist ein Gefühl von Fürsorge. Nicht für mich, sondern für diejenigen, die das vielleicht lesen könnten. Quasi eine vorweggenommene Selbstzensur, denn eventuell könnte ja jemand emotional von dem, was ich schreibe, überwältigt werden.

In mir drin ist immer noch dieser abwegige Gedanke, andere vor meinen Emotionen, meinen Erlebnissen schützen zu müssen.

Und ich erinnere mich gerade daran, wie ich einer Bekannten eines meiner nicht veröffentlichten Gedichte vorgetragen hatte und dann total fassungslos war, dass ihr am Ende des Gedichtes Tränen die Wangen herunterliefen.

Diese Tränen verursachten mir ein dermaßen großes Schuldgefühl, dass ich mit meinem jüngeren Sohn darüber redete. Seine Antwort werde ich nie vergessen. "Sehe es als ein Geschenk, dass Du einen anderen Menschen so tief berühren konntest, denn das ist selten und schön."

Im Grunde sollte ich diesen Satz als Schlusswort stehen lassen, aber ich nehme ihn jetzt zum Anlass, den schon lange angestrebten Wandel im Blog zu vollziehen. Mehr von mir. Mehr von der dunklen, der schweren und schmerzvollen Seite. Der Seite, ohne die man das Helle nicht so wertschätzen würde.

Was für eine Erkrankung ich habe? Wie meine Diagnose nach ICD-10 lautet?

Diagnose: MENSCH!


 Ariana



© Text by Ariana Lazar 05/06/2017

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Sonntag, 4. Juni 2017

Einzug der eigenen Gedichte und Geschichten

 
Blueten des Rotdorn

Carpe diem - Pflücke den Tag


Was macht man an einem Tag wie diesem, der grau und regenreich vermittelt, dass ein Aufenthalt im Inneren des Hauses die bessere Wahl für das gerade vorherrschende Wetter ist?

Keine Ahnung, was andere machen, ich mache etwas, was ich schon über ein Jahr lang erledigen wollte. Ich veröffentliche meine Gedichte und Geschichten nach und nach im Blog, damit sie alle "zu Hause" sind, bevor ich den Blogumzug in Angriff nehme.

SFBasar, auf der ich die Geschichten vor Jahren veröffentlicht hatte, bietet mir, aus unterschiedlichen Gründen, schon lange keine Heimat mehr und so ist es nur natürlich, dass meine Geschichten mir irgendwann folgen. Zumal sie auf der Seite nur noch mit Mühe zu entdecken sind.

Folgerichtig kam als erster Umzugskandidat nur "Die Geschichte einer Suche" in Betracht.

Sie war meine erste Veröffentlichung überhaupt und das "nach Hause kommen" bildet einen wichtigen Teil der Story.

Die Geschichte einer Suche


Die meisten Menschen sind ihr Leben lang auf der Suche. Die Suche nach Ruhm, Macht und Ehre scheint für viele unverzichtbar. Andere wiederum suchen nach der großen Liebe, dem großen Glück, dem ultimativen Job oder gar der allein selig machenden Ideologie, Religion oder Ernährung. Es wundert mich nicht, dass viele dieser Suchen erfolglos bleiben.

Meine Kurzgeschichte hat, zumindest bei einem oberflächlichen Blick, nichts von alledem zu bieten. Im Gegenteil, sie erscheint kurz, klein und unbedeutend.

Ist sie das? Oder hat sie etwas, dass sich nicht auf den ersten Blick erschließt? Ein Geheimnis vielleicht?

Jedenfalls lese ich sie immer wieder gerne, obwohl ich sie selbst geschrieben habe. Wann immer ich sie lese, fühle ich, wie sich wohlige Wärme in meinem Innern ausbreitet mit der das Gefühl von "angekommen sein" einhergeht und ein Lächeln stiehlt sich auf meine Lippen.

Nicht alle suchen das Unübertreffbare. Manche suchen nur sich selbst, weil sie sich irgendwann in ihrer Vergangenheit verloren haben oder weil sie nie eine Ahnung davon hatten, wer sie sind.

Es gibt unzählige Suchen, zahllose Wege und gelegentlich wird man überraschend dort fündig, wo man gar nicht gesucht hat.

Was immer ihr auch findet, wenn ihr ans Ende der winzigen Erzählung kommt, ich wünsche Euch viel Freude beim Lesen. Möglicherweise lohnt sich ein zweiter Blick, weil man vielleicht beim zweiten Lesen etwas entdeckt, das beim ersten Blick verborgen geblieben ist.

Ariana


 
© Foto & Text by Ariana Lazar 04/06/2017

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Die Geschichte einer Suche

Eine Kurzgeschichte

von

Ariana Lazar


Sie konnte sich schon selber kaum noch daran erinnern, wann sie die Suche begonnen hatte, aber es musste zu der Zeit gewesen sein, als noch massive Eismassen das Land bedeckten während Mammuts, Riesenhirsche, Wollnashörner und Rentiere das Gesicht der Erde prägten.

Anfangs hatte ihr die Suche noch Spaß gemacht, es war ja alles neu für sie und es gab  nur wenige Ihrer Art, auch wenn es viel mühsamer war, die wenigen Menschen aufzuspüren, als sie geglaubt hatte.

Die Zeit verging, es wurde einfacher Menschen zu finden, aber wohin sie sich auch wandte, wie sehr sie auch suchte, ihr war kein Erfolg beschieden. Alle schüttelten nur unwillig die Köpfe, drehten ihr den Rücken zu oder verscheuchten sie gar mit wild herumfuchtelnden Händen. Sie war eben zu klein, zu unbedeutend.

Unverdrossen suchte sie weiter, Tag um Tag, Jahreszeit um Jahreszeit. Wie viele Sommer und Winter inzwischen vergangen waren, vermochte sie nicht zu sagen, aber es mussten  eine Unmenge sein, denn das Gesicht der Erde hatte sich drastisch gewandelt.

An Stelle der Mammuts, Riesenhirsche und Wollnashörner waren Blechkisten getreten, die die Luft verpesteten und in deren Innern Massen von Menschen durch das einst grüne Land reisten. Unzählige Menschen, so viele, wie niemals zuvor und doch war ihre Suche noch immer vergeblich, denn die Ablehnung die ihr entgegenschlug blieb immer gleich.

Mutlos saß sie dort oben auf ihrem Aussichtsplatz, hoch über den Dächern der steinernen Stadt, das Geläut der Glocken nicht achtend. Wieder einmal versuchte sie ihre andauernde Erfolgslosigkeit zu ergründen.

Was war es nur, dass sie anscheinend so grundlegend von den anderen ihrer Art unterschied? Denn auch ihresgleichen existierte in dieser neuen Welt in unfassbarer Menge. Oh, so viele von ihnen wurden geliebt und gehegt, gehätschelt und getätschelt. Es gab sie in allen Formen, kurz und lang, ausufernd und prägnant, gebunden und frei, gute und schlechte.

Nur sie, sie fand niemanden. Dabei war sie eher kurz und sie würde auch ganz bestimmt nicht viel Platz wegnehmen. Sie konnte sich prima kleinmachen. Ein winzig kleines Eckchen zum wohnen, mehr wollte sie doch gar nicht.

Ein tiefer Seufzer entrang sich ihr, dann erhob sie sich und wehte davon. Ein neuer Tag begann und mit ihm wie immer die winzige Hoffnung fündig zu werden.

Der erste Mensch, den sie an diesem Tag besuchte, lag noch in tiefem Schlaf, doch gerade, als sie es sich bei ihm gemütlich machen wollte, gab es dieses grässlich schrille und nicht enden wollende Geräusch. Der Mensch fuhr erschrocken hoch und ihr war sofort klar, dass sie HIER gleich wieder gehen konnte.

Würde sie  eben bei dem Elektroladen um die Ecke reingucken, da war um diese Tageszeit nicht viel los. Bei dem Eigentümer brauchte sie es gar nicht erst zu versuchen, der hatte schon lange keine Träume mehr, aber vielleicht bei Gerd, von dem man sagte, er sei ein Tagträumer. Gerd war Azubi und in ein paar Tagen war die nächste Klausur fällig. Er zermarterte sich das Hirn bei dem Versuch, es mit den Physikfragen zu füttern und Yahminah drehte enttäuscht um.

Einige Zeit irrte sie ziellos durch die Straßen, bis ihr die Frau in dem Café gegenüber auffiel. Neugierig näherte sie sich. Claudia, die Kellnerin, starrte blicklos vor sich hin, es war einfach nichts los in dem Laden! Nachdem Yahminah die Lage gepeilt und erleichtert festgestellt hatte, dass diese Claudia gar nicht dachte, wagte sie es. Ein mutiger Hüpfer und ... Bruchlandung! Mit sooo wenig Gehirntätigkeit hatte selbst Yahminah nicht gerechnet und ihr waren einige seltsame Menschen seit der Eiszeit begegnet! Wie sollte sie denn bitte ein Plätzchen für sich finden, wenn nur Vakuum vorhanden war??

Voller Empörung rieb sie sich ihre schmerzenden Teile, schenkte der Bedienung einen unbemerkt bleibenden vernichtenden Blick und stapfte hinaus.

Das war wieder einmal einer dieser Tage, der sie an sich und den Menschen zweifeln ließ.

Meine Güte, immer erwischte sie entweder die Falschen, den verkehrten Augenblick oder jemand ihrer Art war gerade da und verjagte sie!

Trotzdem kam Aufgabe schlicht nicht in Frage, sie hatte ja schließlich ihren Ehrgeiz und wenn Millionen ihrer Art, die viel mehr Platz beanspruchten, als sie selber, einen Platz gefunden hatten, dann würde sie das auch!

Als die Nacht hereinbrach, hatte sie wohl weit über hundert Mal ihr Glück versucht. Vergebens. Gelang es ihr kurzzeitig, sich bei jemandem niederzulassen, schien dieser Mensch nicht so recht zu wissen, was er denn mit ihr anfangen soll und vertrieb sie. Die Art der Vertreibung reichte von leichtem, etwas unwilligen Kopfschütteln, über ein paar kräftige Flüche bis zu aktiver Ignoranz. Einer schlug sogar heftig mit der Faust auf den Tisch, als er sie in der dunklen Ecke bemerkte und warf sie wutschnaubend hinaus.

Nach diesem Vorfall ging sie ein wenig behutsamer vor. Einige Male begegnete sie auch anderen ihrer Art, aber diese waren nur damit beschäftigt, ihre eigenen Plätze zu verteidigen und Höflichkeit hielt in dem Zusammenhang  jeder für Zeitverschwendung, so dass sie dort von selbst schnell verschwand.

Die Nacht war schon weit fortgeschritten, die meisten Fenster dunkel und Yahminah war  so müde, dass sie, ohne es wirklich zu bemerken, durch eines der wenigen, schwach erleuchteten Fenster in das im Halbdunkel dahinter liegende Zimmer taumelte.

Schon halb schlafend, ließ sie sich auf dem warmen, leuchtenden Monitor nieder und atmete tief durch. Was machte diese Frau da eigentlich? Warum lächelte sie so?

Zu spät bemerkte sie, dass sie nicht die Einzige ihrer Art in diesem Raum war. Überall um sie herum war ein Wispern und Raunen, das Zimmer war voll davon. Unzählige Wesen beobachteten jede ihrer Regungen, so dass sie ein unbehagliches Gefühl überkam. Vergangene Begegnungen dieser Art waren bisher immer negativ für sie ausgegangen.

Noch nie war Yahminah so vielen ihrer Art auf einmal begegnet und da nichts bedrohliches geschah, sah sie sich verstohlen um.

Es gab so viele Verschiedene! Da hockten Dicke neben Dünnen, Kurze schwatzten mit Langen, Gereimte diskutierten mit Ungereimten, Fröhliche plauderten mit Traurigen und Ernste philosophierten mit Komödianten. Es gab sowohl Fertige, als Unfertige und sie entdeckte sogar ein paar mehr oder weniger brummige Angedachte, die einen winzigen Winzling aus seinem Versteck locken wollten.

Eine neue Welt zeigte sich ihr im warmen Licht der Schreibtischlampe und ehe sie es richtig bemerkte, war sie auch schon mittendrin. Sprach mit Jenen, plauderte mit Diesen und vergaß eine Weile, dass sie müde und erschöpft war.
Stunden vergingen, bevor Yahminahs Blick wieder auf die Frau und damit auf den Monitor fiel. Dort stand in großen Buchstaben geschrieben:

Willkommen daheim, Yahminah!


Ihre Suche war beendet! Sie hatte ihn endlich gefunden! Den Menschen, der ihre Geschichte niederschrieb, denn Yahminah war eine Geschichte. Eine Geschichte auf der Suche nach einem Erzähler. Sie war am Ziel!

© by Ariana Lazar 2011

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© Foto 04/06/2017 & Text by Ariana Lazar 23/05/2011

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Montag, 15. Mai 2017

Mediterrane Muffins

Wenn ich weiß, dass ich mehrere Tage hintereinander nicht wirklich zum Kochen komme, weil ich die Tage größtenteils außerhalb verbringe, stellt sich mir immer die Frage, was ich dann essen soll / kann.

Letztes Wochenende gab mir ein hier stattfindender Kongress Veranlassung zu obiger Frage. Zwar gibt es immer ein kleines Catering auf diesen Veranstaltungen, jedoch sind die angebotenen Snacks so gut wie nie mit meiner Ernährung kompatibel. Es gibt in den allermeisten Fällen belegte Brote und kleine Kuchenstücke bzw. Mini-Muffins. In Ausnahmefällen findet man etwas Obst, aber darauf kann ich mich nicht verlassen.

Will ich also etwas essen, dass keinerlei Getreide enthält, muss ich mir meine eigene Verpflegung mitbringen.

Zugegeben, meistens beschränkt sich mein mitgebrachtes Essen auf ein paar hart gekochte Eier und eine Schale Cherrytomaten oder in Streifen geschnittene Paprika. Das lässt sich notfalls noch am selben Morgen problemlos vorbereiten, bedarf keiner größeren logistischen oder sonstigen Planung und benötigt nur ein Minimum an Zeiteinsatz.

Die fehlende Abwechslung dürfte der größte Nachteil an dieser Art der Selbstversorgung darstellen. Und so überwinde ich mich manchmal selbst, und entscheide mich, nach einem Blick in Küchen- und Kühlschrank, dazu, mir etwas Besonderes zu gönnen und ein Gebäck zu fabrizieren.

Sehr oft backe ich nicht, aber wenn, dann entsteht wesentlich öfter etwas Herzhaftes, als etwas Süßes. So auch diesmal und weil ich zum Geburtstag unter anderem Kastanienmehl geschenkt bekam, spielt Kastanienmehl in diesem Rezept die Hauptrolle.

Kastanienmehl eignet sich hervorragend für herzhaftes Gebäck, vor allem, wenn man Olivenöl statt Butter im Teig verwendet. Hier also mein neuestes Rezept.

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Mediterrane Muffins - glutenfrei
 

Mediterrane Muffins

 

Zutaten für 12 Muffins:
200 g gesiebtes Kastanienmehl
1 TL Weinsteinbackpulver
2 TL Zatar (beim arabischen oder türkischen Händler zu bekommen)
100 ml Olivenöl
5 Eier
2 EL Tomatenmark
15 grüne Oliven ohne Kerne
30 g getrocknete Tomaten
100 g Feta

Zubereitung:
Das gesiebte Kastanienmehl mit dem Weinsteinbackpulver und dem Zatar gut mischen.
Die grünen Oliven, die getrockneten Tomaten und den Feta fein würfeln.
Das Olivenöl mit den Eiern und dem Tomatenmark schaumig rühren.

Zuerst das Olivenölgemisch mit dem Mehl gut verrühren. Dann die gewürfelten Zutaten mit einem Spatel vorsichtig unterheben.

Je ca. 1 bis 1 1/2 EL des Teigs in eine Vertiefung der gefetteten Muffinform geben und im auf 170 Grad (150 Grad Umluft) vorgeheizten Backofen ca. 15 Minuten backen.Bleibt der Teig nicht mehr an einem Holzstäbchen kleben, sind die Muffins fertig.

Auskühlen lassen und pur oder mit Butter bestrichen genießen.

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Die Muffins sind durch die verwendeten Zutaten herrlich würzig und schmecken sowohl pur als auch mit Butter bestrichen.

Pssst! 🙊 Da ich, immer noch, ein großer Fan von Leberwurst bin, schmeckt mir die ausgefallenere Kombination von würzigem Muffin mit eher sanfter Leberwurst ausnehmend gut. Deftiger Schinken geht natürlich auch. Überhaupt sollte man dazu essen, was einem schmeckt!

Guten Appetit

Ariana



© Foto & Text by Ariana Lazar 15/05/2017

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Dienstag, 25. April 2017

Mit einer Träne im Knopfloch

Muaaaaahhhhaäääääääääää, heuuuuuuuuuuuulllll, jammmmmmmmer, seuuuuuuuuuuuuffffffffffffffzzzzzzzzzzzzz, zeeeetttteeeeeeeeeerrrrrrrrr, fleeeeeennnnnnnn, wuhuhuhuhuhuhu, sie ist nicht mehr! 😭

Meine schöne Lieblingstasse, ich habe sie zerdeppert und nun musste ich sie in den dunklen Untiefen des Mülleimers begraben. Schniiiiiiiiiiiieeeeeeeeeeefffffffffffffff

Eine viel zu kurze Zeit hat sie mich begleitet, nun wurde sie von der Schwerkraft unerbittlich dahingerafft und war durch keine Wiederbelebungsmaßnahme mehr zu retten. Vergeblich der Griff nach dem Keramikkleber, umsonst das Zusammenklauben der orange-weißen Scherben, jede Notfallmaßnahme kam zu spät! Zerschmettert ruht ihr sonniger Keramikkörper jetzt im schnöden Plastikeimer, niedergeschmettert wie ihre Besitzerin.

Untröstlich die Hinterbliebene, fassungslos ob der Tücke und der Hinterhältigkeit des Daseins. Im Ohr den Abgesang: Das Leben ist fies, gemein und ungerecht!

Seufzend und zähneklappernd der Grabgesang, unendlich und unerschöpflich das Fließen des Tränenmeeres, übertroffen nur von dem unstillbaren Mitteilungsdrang, der mich angesichts des schweren Verlustes überwältigt.

Lebe wohl, Du Begleiterin meiner Tage, die Du klaglos den Latte macchiato für mich bereithieltest, wie auch den Tee nicht verschmähtest, den ich aus Dir zu trinken pflegte. Unermüdlich, zu jeder Tages- und Nachtzeit warst Du mir zu Diensten. Ertrugst Hitze, Kälte, lauwarme Milch und eine Besitzerin, die sich oft erst Deiner erinnerte, wenn das Getränk in Dir schon unter Umgebungstemperatur gefallen war. Nun, da Dein wunderbar geformter Körper, der sich so ideal in meine Hände schmiegte, in tausend Stücke gesprungen ist, werde ich in tiefer Trauer Deiner gedenken, wohl wissend, dass eine wie Du nicht so leicht zu ersetzen ist.

So zeige ich Dich hier zum letzten Mal in Deiner unvergleichlichen Pracht, damit Du nicht so schnell in Vergessenheit gerätst. Friede Deinen Scherben. 💀

Lieblingstasse bis April 2015

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So stand es heute vor genau zwei Jahren in meinem Facebook-Account. Gäbe es dort nicht die Funktion "An diesem Tag", wäre der Beitrag irgendwo in den unendlichen Weiten des Facebook-Archivs verschollen.

Warum ich ihn jetzt im Blog veröffentliche? Weil mir danach ist! Weil der Beitrag auf FB nur für Freunde sichtbar ist und ich es schade finde, dass er nach dem heutigen Tag wieder der Vergessenheit anheimfallen würde.

Dieser Monat verlief nicht ganz so wie erhofft, was man zweifelsohne an der niedrigen Artikelzahl merkt und die Aufsätze in meiner mentalen Warteschlange scharren derweil ungeduldig mit den Hufen. Dabei wird der nächste Monat voraussichtlich ziemlich ereignisreich.

Jammern hilft nicht, mich selbst niedermachen ist ungesund und überhaupt ist es besser etwas zu tun, als zu unterlassen. In diesem Fall zumindest.

Mein erster absolvierter Physiotherapie-Termin weckt die Hoffnung auf weniger Schmerzen und damit die Aussicht auf steigende Energie. Der anschließende Friseurbesuch verschaffte mir wieder eine passable Frisur, was wiederum ausgesprochen förderlich für das eigene Selbstwertgefühl ist.

Kurzum, ich sehe Licht am Ende des Tunnels und deshalb gibt es heute etwas, was mir selbst ein breites Grinsen beschert hat.

Nicht immer lässt sich für etwas Zerbrochenes leicht Ersatz finden. Das Finden der neuen Tasse dauerte bestimmt ein ganzes Jahr, trotz allem bleibt es ein Gebrauchsgegenstand.

So manches jedoch, was wir verlieren, weil es unvermutet bricht, ist unersetzlich und hinterlässt ein immerwährendes Gefühl des schmerzlichen Verlusts.

Jetzt hätte ich beinahe vergessen, ein Bild der neuen Lieblingstasse zu zeigen.

Diesmal hat die Tasse sogar ein Muster. Schwarz-weiß natürlich, denn bunte Blumen liebe ich zwar in der Natur, aber meine Tassen bevorzuge ich eher schlicht. Eine Tasse mit Blumen in schwarz-weiß, das war der Kompromiss, den ich auf der Suche nach einem neuen Liebling eingehen musste. Ein gelungener Kompromiss, wie ich finde.

Lieblingstasse 2017

Schwarz-weiße Grüße

Ariana



© Fotos & Text by Ariana Lazar 25/04/2017

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Sonntag, 9. April 2017

Grauer Einheitsbrei mit schwarzen Schlieren



Wenn das Ungeheuer, das immer in der Ecke lauert, hervorspringt und mich wieder einmal attackiert.
Wenn meine Tränen fließen, ohne dass ich ergründen kann, warum.
Wenn mich die Musik im Laden dermaßen nervt, dass ich die Ohropax aus dem Rucksack hervorhole und mir in die Ohren stopfe, um dem quakenden Gedudel zu entgehen.
Wenn ich Menschen und ihre Lautäußerungen nur noch unerträglich finde und mich am liebsten in ein dunkles Loch verkriechen möchte.
Wenn es mich wütend macht, dass überall Ängste geschürt werden, weil Angst mir die Luft zum Atmen nimmt und ich keine Angst mehr haben will.
Wenn ich mich hilflos und ausgeliefert fühle.
Wenn die Gedanken an bestimmte Menschen mich betrüben, weil ich ihr Verhalten nicht verstehe.
Wenn der Kloß in meinem Hals immer dicker und der Stein auf meiner Brust immer schwerer wird.
Wenn ich am liebsten meine Gedanken per Knopfdruck ausschalten würde, obwohl ich weiß, dass es dadurch nicht besser, sondern schlimmer werden wird.
Wenn draußen die Sonne scheint, aber sich in meinem Inneren nur ein grauer Einheitsbrei, versetzt mit schwarzen Schlieren, träge umherwälzt.
Wenn sich meine Energie im zweistelligen Minusbereich befindet.
Wenn es warm ist und ich doch von innen heraus friere.
Wenn ich mich, zum wiederholten Mal, wie ein zurückgelassenes Alien fühle, weil das Agieren der Menschen mich zunehmend befremdet.
Wenn ich darauf warte, dass ein Raumschiff erscheint, mich mitnimmt und zu einem Planeten bringt, auf dem es Wesen gibt, die mir nicht nur äußerlich ähneln.
Wenn ich mir das Leben einen winzigen Hauch leichter wünsche, als es ist.

Tja, dann krame ich in meinem Ordner mit den Gedichten. Heute habe ich eins ausgegraben, das schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Es passt. Zu gut für meinen Geschmack, aber das kann ich mir nicht aussuchen. Das Leben ist, wie es ist. Und an manchen Tagen, wie heute, ist es eben so, wie in dem Gedicht.

Nun, ich kann mich ärgern, dass ich dem Grund nicht auf die Spur komme, oder ich warte einfach ab, bis es wieder vorbei ist. Denn eines weiß ich aus Erfahrung sicher: Irgendwann hört es wieder auf und wird besser. Vielleicht, wenn ich Glück habe, schon morgen, vielleicht in einer Woche oder einem Monat. Wer weiß?

Ariana


© Foto & Text by Ariana Lazar 09/04/2017

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Krikelkrakel

 

 

Krikelkrakel

von
Ariana Lazar


Krikelkrakel, Rumgeschmiere
in Kopf und Seele kleine Tiere
die lassen dich dich selbst vergessen,
weil sie dein Inneres zerfressen.

Sie nagen tiefer, Stück für Stück,
so dass am Ende bleibt zurück
ein lochzerfressenes Innerlei,
verziert mit schwarzem Trauerbrei.

Und in der Ecke, gut versteckt,
damit es niemand schnell entdeckt,
sitzt monsterhaft und riesengroß
die Trauer, und sie wartet bloß,
dass sie dich ungeschützt erwischt
und dann genüsslich dich zerbricht.

Auch wenn man sie nicht immer sieht,
so weiss man doch, dass es sie gibt,
dass sie nur wartet, bis man schwach,
denn dieses Monster ist stets wach.

Und selbst an Tagen hell wie Licht
zeigt sie dir manchmal ihr Gesicht.
Ganz unverhofft springt sie dich an.
Nichts gibt es, was sie hindern kann.



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Bitte beachten! Das Urheberrecht an diesem Text / Gedicht liegt ausschließlich bei mir! Jede Veröffentlichung, auch auszugsweise, auf anderen Seiten (Blogs, Foren usw.) ist untersagt und bedarf meiner ausdrücklichen schriftlichen Genehmigung!


© Foto & Text by Ariana Lazar 09/04/2017

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Sonntag, 2. April 2017

Schlechte Witze und schöne Nasen

Aprilscherze


Es gibt solche und solche Aprilscherze. Nur wenige sind wirklich lustig. Die meisten ihrer Art empfinde ich als ausgesprochen dämlich und einige "Scherze" waren gar nicht als solche gedacht und gehören sowieso eher in die Rubrik: "Wenn ich Zeit finde, lache ich morgen darüber!" Zur letzteren Sorte gehört das erste Ereignis.

Gestern war ich länger mit der S-Bahn unterwegs. Rausgefahren war ich, weil eine Bekannte mir das Frühlingsfest in einer Kreativwerkstatt empfohlen hatte. Diesen Weg hätte ich mir sparen können, von "Fest" war da nicht viel zu bemerken.

Was im Internet bombastisch mit "großer Ostermarkt im Hof mit frühlingshaften Angeboten xxx sowie kulinarischen Köstlichkeiten" beworben wurde, entpuppte sich in der Realität als ein überschaubarer Hinterhof, in dem vier oder fünf kleine Stände aufgebaut waren. An einem der Stände wurde selbst genähte schreiend bunte Kinderkleidung angeboten, an einem zweiten gab es diverse Kinderbücher und was auf den anderen lag, habe ich vergessen. Des Weiteren wurde in einer winzigen Ecke des Hofes an einem kleinen Tisch "Kinderschminken" angeboten. Soweit der "große Ostermarkt".

Die angepriesenen "kulinarischen Köstlichkeiten" konnte man nicht wirklich als solche bezeichnen. Profane Bratwurst, wahlweise als Tofuvariante erhältlich, bildete das Highlight der winzigen Speisekarte dargeboten an einem kleinen überdachten Stand mit einem Grill. Der Grill verbreitete einen ätzenden, extrem stinkenden Rauch, der nicht nur den Hof, sondern ebenso die geöffneten Räumlichkeiten durchzog.

Es konnten einige Räume der Kreativwerkstatt besichtigt werden. Von den Werkstätten war ich leider ziemlich enttäuscht. Die Töpferwerkstatt verfügte zwar über eine Drehscheibe, war aber ansonsten eher spärlich bestückt.

Das Ganze schien mir eher eine schlecht verkaufte Werbemaßnahme für die dort angebotenen Kurse zu sein.

Am unangenehmsten fand ich jedoch den allgegenwärtigen Rauch, dem nicht zu entkommen war. Diesen fand ich geradezu widerlich und so war ich schneller wieder weg, als ich für den Weg dorthin gebraucht hatte.

Meine Kamera lag derweil griffbereit zu Hause auf dem Wohnzimmertisch. So bleibt es diesmal bei einem aktuellen Foto "meines Ahornbaums", dessen Blüten ich jedes Jahr aus der Nähe bewundern kann.

Bienen im Anflug auf die Ahornblüten
Mit dem festen Vorsatz, mich in einem ruhigen Café von dem misslungenen Fest zu erholen, machte ich mich auf den Heimweg.


S-Bahn-Gespräche


Ein großes Stück meines Weges musste ich wieder mit der S-Bahn zurücklegen. Nach zwei Stationen stieg ein Grüppchen von drei jungen, anscheinend türkischen, Frauen zu und setzte sich auf die freien Plätze "meiner" Vierergruppe.

Anfangs drehten sich die Gespräche der Drei um irgendwelche Banalitäten. Es ging unter anderem um Beziehungen, die ihre Freundinnen führten, um das Zupfen von Augenbrauen und darum, welche künstlichen Wimpern besser passen und daher zu bevorzugen seien.

Fährt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln, bekommt man manches mit, ob man nun will, oder nicht.

Irgendwann erwähnte meine Sitznachbarin, dass sie noch nicht sicher sei, ob sie dieses Jahr in Urlaub fahren würde. Ihre Antwort auf die Nachfrage ihres Gegenübers, warum sie nicht in Urlaub fahren wolle, verblüffte mich allerdings sehr, denn sie lautete: "Ich will mir noch mal die Nase operieren lassen!"

Ich traute meinen Ohren nicht! Das Mädel war höchstens 23 Jahre alt und sie sagte "noch mal", also musste sie bereits eine derartige OP hinter sich haben. Leider war das ganz offensichtlich kein Aprilscherz.

Die drei Grazien plauderten ungeniert weiter und dem Laufe ihrer Unterhaltung konnte ich dann entnehmen, dass alle drei schon mehrere Schönheits-OPs hinter sich hatten. Zwar rieten sie der Freundin von einer zweiten Nasenkorrektur ab, empfahlen ihr jedoch gleichzeitig eindringlich rätselhafte "Spritzen". Diese Spritzen wären wesentlich billiger, genauso wirkungsvoll und besäßen keine weiteren Nachteile, als das sie jährlich wiederholt werden müssten.

Es hat mich etwas fassungslos gemacht, mit welcher Selbstverständlichkeit diese Zwanzigjährigen über Magen-, Nasen- und andere Schönheits-OPs geredet haben. Das waren hübsche junge Frauen! Keine von ihnen hatte etwas Derartiges auch nur ansatzweise nötig!

Kurz bevor ich meine Haltestelle erreichte, habe ich, weil ich bin, wie ich bin, meiner jungen Sitznachbarin ans Herz gelegt, dass es bedeutend billiger und sinnvoller wäre, wenn sie sich Zettelchen mit dem Satz: "Ich bin schön, so wie ich bin!" überall sichtbar in ihre Wohnung kleben würde.

Zwar stimmte mir das kleine Grüppchen überraschenderweise einstimmig zu, jedoch bezweifle ich ernsthaft, dass sie weiter darüber nachdenken werden.

Unnötig zu erwähnen, dass die S-Bahn brechend voll war und viele der umstehenden Menschen, vor allem die männlichen Anwesenden, den vorangegangenen Wortwechsel breit feixend verfolgt hatten.

Erschreckend fand ich, was für ein furchtbar verschobenes Selbstbild diese jungen Frauen hatten. Diese Erörterung über die Vor- oder Nachteile einer absolut unnötigen Nasenoperation hat mich noch eine Weile beschäftigt.


Tagesausklang

Unweit meiner Behausung setzte ich mich in ein Café, kramte meine Wolle, die Häkelnadel und den angefangenen Kissenbezug hervor und genoss häkelnd in ruhiger Umgebung die letzten wärmenden Sonnenstrahlen.

So ganz nebenbei kam ich nicht umhin mitzuhören, dass ein Freund des Mannes am Nebentisch gerne an Socken riecht! Ich habe mich geschüttelt vor Lachen, was wiederum die Menschen am Nebentisch zum Lachen brachte.

Kann ein Tag besser ausklingen, als mit einem Lachen?



© Foto & Text by Ariana Lazar 02/04/2017

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Donnerstag, 30. März 2017

Aktuelles Schönwetter-Intermezzo

Wilde Tulpen am Straßenrand

Das Wetter


Zugegeben, schön ist das Wetter heute nicht. Das Heute ist grau, trübe und regnerisch, wie mir meine Augen vermitteln, wenn ich den Blick Richtung Fenster schweifen lasse.

Vor zwei Tagen sah das unleugbar anders aus, denn die Sonne strahlte von einem klaren, blauen Himmel und es trieb mich tatsächlich hinaus.


Vor dem Vergnügen


"Schnell alles Notwendige einpacken und los!" So der Plan. Hahaha!

Die einzig passende Hose war reif für die Mülltonne. Zu meiner Überraschung passte mir immerhin eine alte Hose, die vor zwei, drei Jahren, als "zu eng" irgendwo ganz unten im Schrank gelandet war.

Soweit prima, aber mir beim Laufen immer auf die Säume zu treten, fand ich wahrhaftig suboptimal.

Nein, ich bin nicht geschrumpft, auch wenn meine Kinder das frecherweise behaupten würden, ich mag nur keine Schuhe mit Absätzen mehr!

Also galt es herauszufinden, von wie vielen Zentimetern Saum ich mich verabschieden musste. Es waren vier. Ausmessen, abstecken und per Hand säumen braucht schon einige Zeit und so wurde es wesentlich später, als ich ursprünglich beabsichtigt hatte.

Unschlüssig, ob ich tatsächlich noch fast eine Stunde Busfahrt auf mich nehmen sollte, änderte ich meine Meinung fast im Minutentakt und diskutierte mit mir selbst. Ich bin kein leichter Gegner! 😀

Stattgefundene Debatte in Kurzfassung


Ich
Ach, das lohnt sich ja gar nicht mehr! So eine lange Busfahrt und dann nur noch so wenig Zeit, die Sonne zu genießen.

Auch Ich
Aber das Wetter ist so schön und es ist richtig warm. Das wird mir guttun!


Ich
Oh nein! Bis ich im Park bin, ist es schon vier! Das lohnt sich kaum!

Auch Ich
Es lohnt sich doch! Dann läufst Du wenigstens und kannst, mit etwas Glück, ein paar schöne Bilder machen!


Ich
Der blöde Bus kommt aber nur alle 20 Minuten, und wenn ich Pech habe, ist der Anschlussbus schon weg, weil unterwegs Mal wieder Stau ist.

Auch Ich
Ach Du meine Güte! So spät ist kurz nach Vier ja schließlich auch nicht und eine Stunde ist eine Stunde!


Ich
So ein Riesenaufwand für eine Stunde Frischluft? Und dafür dann zwei Stunden mit dem Bus unterwegs? Oh näääh! Kein Bock!

Auch Ich *guckt auf der Wetterapp nach dem Zeitpunkt für den Sonnenuntergang*
Guck doch Mal! Die Sonne geht erst kurz nach Sieben unter, dann bleiben drei Stunden Park, bis es dunkel wird! *triumphierend*


Ich *überzeugt*
OK, dann jetzt aber schnell, der nächste Bus kommt in 12 Minuten!
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Obig wiedergegebenes Gespräch ist die stark vereinfachte Extrem-Kurzversion dessen, was sich in meinem Kopf abspielt. Diskussionen mit mir selbst können sich hinziehen. Lange. Schwankend zwischen Ja und Nein, kürze ich die Hosenbeine, stehe prüfend vor dem Spiegel, suche einen passenden Pullover und ein versteckt irgendwo sitzendes "Abwarte-Ich" seufzt zwischendurch genervt.

Das Ergebnis


Nachdem ich bereits mehr als reichlich geschrieben habe, folgen jetzt ohne weitere Umschweife und höchstens mit einigen sparsamen Erklärungen versehen, die Bilder des Tages.

Anstelle der Krokusse begrüßen mich diesmal gelbe Narzissen.
Gelbe Osterglocken inmitten unzähliger Blausterne
Sonne und Schatten auf meinem Weg
Verströmen einen wundervoll intensiven Duft, die Blüten der Großblütigen Abelie (Abelia xgrandiflora).

Großblütige Abelie (Abelia xgrandiflora) - Blüten
Großblütige Abelie (Abelia xgrandiflora) - Strauch
Suchbild mit Narzissen
Gefunden - gelbe und weiße Osterglocken

Bei Sonnenschein und 20 Grad Außentemperatur trieb es viele Menschen an die Luft. Die Plätze im Café am See waren gut besetzt und das laute Stimmengewirr der dort versammelten Menschen hallte weit durch die klare Luft.

Blick zum Café am See
Blick über den See
Mir war das Treiben zu laut und so nahm ich Zuflucht zu mehr Ruhe, die man auf den Nebenwegen eher findet.

Zigarettenpause am Wegesrand
Belvedere - Eine Nebelkrähe genießt die Aussicht aus dem Baumwipfel
Kugelige Knospen
Diese Birkengruppe erinnert mich an meine Kinder. Was gemeinsam gewachsen ist, strebt in verschiedene Richtungen, ohne den Kontakt zu verlieren. Ein schönes Sinnbild, für Eigenständigkeit und Zusammenhalt, wie ich finde.

Birkengruppe
Durchblick auf dem Weg zum "Gipfel"
Von dem Hügel, sitzend auf einer Bank, versank ich in die wundervolle Aussicht. Den Lärm hatte ich mit jedem Schritt hinauf weiter hinter mich gelassen. Sitzen, den warmen Wind im Gesicht spüren, die Landschaft mit den Augen trinkend. Dem Wind und den Vögeln zuhören. Pures SEIN. Genuss. Glücksmomente atmend.

Aussicht
Der Blick in den Baum über meinem Kopf.
Gewundene Wege
Eine einzelne blaue Glockenblume
Echte Schlüsselblume (Primula veris)
Vom Winter übrig geblieben - die roten Beeren des Gemeinen Schneeballs
Goldene Kugel im Sonnenlicht
Wer seine Sinne intensiv nutzt, braucht dringend eine Pause. Gekrönt mit einem Latte macchiato und, damit das gute Stück weiter wächst, beschäftigt. mit einer Häkelarbeit. Grafisch. Klar. Schnörkellos.

Handarbeiten und Latte macchiato in der Sonne. Herrlich!
Noch wird es kalt, sobald die Sonne im Untergehen begriffen ist. Meine dicke Jacke lag zu Hause, aber Bewegung wärmt und so nutzte ich die letzten Sonnenstrahlen für Bilder mit weicherem Licht.

Weißer Brückensteg
Schattenspiele
Rieisig, aber ungenießbar, das Eis mit Sahne in der Plastikwaffel
Kornelkirsche mit Himmelblau
Büten der Kornelkirsche
Abendstimmung
Das letzte Bild des Tages.
Sonnenglanz im Wasser

Es sollten nur ein paar Bilder werden. Etwas Aktuelles, damit die mentale Warteschlange nicht noch länger wird. Es ist mehr geworden, was wohl nicht nur an dem schönen Tag gelegen hat. Es ist meine Art, die Welt zu sehen. So viel Schönheit, so viele Details, da fällt es mir schwer, mich zu beschränken.

Das Schöne zu sehen, ist oft problematisch, weil wir uns auf das Negative konzentrieren. Die Berichterstattung in den Medien verstärkt diesen Effekt um ein Vielfaches.

Den Blick für das Schöne nicht zu verlieren, den Augenblick genießen, das sind die Dinge, die ein Leben lebenswert machen.

Ariana


© Fotos & Text by Ariana Lazar 30/03/2017

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