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Donnerstag, 26. Januar 2017

Antikes Fundstück - frisch poliert

Ein bisschen verrückt ist heutzutage nicht nur normal, sondern absolut notwendig!


Das Fundstück


Ursprünglich hatte ich für heute einen ganz und gar anderen Artikel geplant. In meiner Erinnerung hatte ich schon ein paar Sätze geschrieben, doch fand ich den angefangenen Text nicht im vermuteten Ordner. (Er blieb unauffindbar.)

Ergo begab ich mich auf die Suche und fand einen Entwurf, der schon zwei Jahre auf meiner Festplatte schlummerte. Was wohl so manch geplantem Artikel diverser Autoren widerfährt. Dabei verschwindet so einiges in der Versenkung, was durchaus einen zweiten Blick bzw. eine Aktualisierung wert ist.


Die Aufarbeitung


So ganz konnte ich mir ein Grinsen beim Durchlesen des Altertümchens nicht verkneifen. Seufzend stellte ich fest, dass das Meiste davon noch hochaktuell ist und daher eine Überarbeitung durchaus lohnenswert sein könne.

Da bereits etwas mehr als zwei Jahre seit der Niederschrift ins Land gegangen sind, ist die Liste eher größer geworden und bedarf dringend der Korrektur.

So schön diese Liste nach den notwendigen Renovierungsarbeiten aussehen bzw. zu lesen sein mag, sie erhebt keinesfalls und unter gar keinen Umständen den geringsten Hauch eines Anspruchs auf Vollständigkeit.


Normale UFOs / Unfertige Projekte - antik (Planung vor 2015)


  • Fest eingeplant sind selbst gemachte Knöpfe für meine Strickjacke, die seit inzwischen 2 1/2 Jahren auf passenden Schmuck wartet. Die Bündchen fehlen ebenso, weil ich mir wegen der Knopfgröße nicht sicher bin.
  • Meinen uralten Nähschrank mit neuer Deckplatte versehen und weiß lackieren. Knöpfe für die Schubladen besorgen und ein Magnetschloss (?) einbauen.
  • Meinen Blog habe ich letztes Jahr ganz böse sträflich vernachlässigt, das soll sich ändern. Einen Artikel pro Monat müsste selbst ICH auf die Reihe bringen. (Da besteht zumindest Hoffnung.)
Die obigen Jahresangaben stammen aus dem Originaldokument! ;)


Normale UFOs / Unfertige Projekte - neu (2015/2016)


  • Das Tina-Tuch beenden.
  • Das orange Tuch fertig stricken.
  • Pinke Stola zu Ende bringen, falls ich die Stärke der verwendeten Häkelnadel erinnere.
  • Prüfen, ob ich das total verblasste Fenster-Häkelteil wieder zum Strahlen bringen kann.
  • Die geplante "Deko" für den auf Eis gelegten Rucksack in Angriff nehmen.
Soweit die handarbeitstechnisch auf Beendigung wartenden Projekte.



Die wahre Herausforderung jedoch bilden die

UFO's der besonderen Art

  • Lord Wooly wartet auf Fertigstellung seines Zylinders und drängt auf Vorstellung im Blog. (Der Mann ist wirklich etwas seltsam!)
  • Betty und Bettinchen beharren seit Ewigkeiten auf einen Schönheitsfarmbesuch und ersehnen neue Garderobe! (Man sollte halt mehr darauf achten, wen man zu sich nach Hause holt!)
  • Das Lindengedicht erhofft sich dieses Jahr die Vervollkommnung durch die fehlenden Zeilen (diese Hoffnung hegt es schon seit Jahren).
  • Ein paar Geschichten nerven mich schon im Schlaf, weil sie unbedingt vollendet werden wollen. (Man glaubt gar nicht, wie nervtötend Geschichten werden können, die man noch nicht erzählt bzw. aufgeschrieben hat)
  • Chrissie fühlt sich vernachlässigt und erhofft sich, neben der anstehenden Lackierung, eine reiche Auswahl an saisonal angepasster Textilausstattung. (Will, wie immer eine Extrawurst.)
  • Rudolph jammert, weil er immer noch nackt ist und will sich so auf keinen Fall der Öffentlichkeit präsentieren. (Soll sich mal nicht so anstellen, so ein kleidsames Fell entsteht schließlich nicht im Handumdrehen!)
  •  Ursula redet nicht mehr mit mir, weil ihr die Klamotten, die ich ihr vor Ewigkeiten gekauft habe, nicht wirklich passen und sie endlich modern oder wenigstens passend gekleidet sein möchte. (Seh' ich etwa aus wie Krösus?)
  • Signorina Clementina, die eigentlich schlicht Klementine heißt, will ihre Kunst partout öffentlich darbieten. (Eine derartige Ansammlung von guter Laune ist an manchen Tagen kaum erträglich!)
  • Carlotta ist sauer, weil ich sie ohne die versprochene Mütze/Perücke fotografiert habe. (Eine Glatze kann definitiv sehr kleidsam sein. Das gilt für beide Geschlechter.)
  • Donna Angelina wünscht sich ein engelhaftes Kleid.(Wie bitte?)
  • Hoppel, aus der Familie derer von Klopfer, drängt auf die Veröffentlichung der reich bebilderten Reportage. (OK, die Bilder gibt es schon, aber der lange Text schreckt mich immer noch.)

Diese Liste ließe sich ohne Weiteres um einiges verlängern, denn meine seltsamen Mitbewohner haben die unterschiedlichsten Ansprüche.

Wer jetzt glaubt, dass ich in Rätseln schreibe und auf Aufklärung hofft, hofft auf jeden Fall vergeblich, denn ich kann ja nichts im Voraus verraten, was ich selber noch nicht so richtig weiß!

Im Übrigen ist mir gerade das Licht aufgegangen, dass ich dieses Geschreibsel auch gleich in meinem Blog veröffentlichen könnte, dann stünde da wenigstens etwas.

Oh, oh! Ariana ick hör Dir trapsen!

Wenn Euch das jetzt zu seltsam und verwirrend ist, habt ihr halt Pech gehabt, so bin ich eben. Manchmal.

Möge ein Schmunzeln Euch den Tag versüßen! Falls ich dazu beitragen konnte, würde mich das freuen.


Schmunzelnde Grüße

Ariana


© Foto & Text by Ariana Lazar 26/01/2017

Alle Rechte vorbehalten >< All rights reserved

Freitag, 13. Januar 2017

Ein Tagesmenü à la Ariana

Planung


Die Planung eines Ausflugs bzw. längeren Spaziergangs hat durchaus Ähnlichkeiten mit der Planung eines Menüs.
Bei beiden gilt es, einiges zu bedenken.

Was will ich kochen? / Welches Ziel wähle ich?
Welche Zutaten benötigt das Menü? / Was packe ich in Handtasche bzw. Rucksack?
Welche Vorspeise biete ich an? / Wie bzw. womit erreiche ich mein Ziel?
Welche Zutaten kredenze ich beim Hauptgericht? / Wie oder wo(mit) verbringe ich die meiste Zeit?
Biete ich einen Zwischengang an? / Gibt es etwas in der Nähe, was einen Abstecher lohnt?
Gibt es ein Dessert? / Geht es danach gleich zurück nach Hause oder kehre ich noch irgendwo ein?

Am Vorabend des Tagesmenüs / Ausflugs darf man sich das in etwa so vorstellen:

Tagesmenü à la Ariana

Das Äquivalent für einen Ausflug könnte so gestaltet sein:

 

Tagesauflug à la Ariana
 Soweit also der Plan.


Die Relität klopft an


Mit anderen Worten, das Leben erscheint, bringt Chaos mit und die beiden nehmen sich das Tagesmenü vor. Sie ändern und streichen durch, verbessern noch einmal, entschließen, dass es so nicht klappt, bringen handschriftliche Bemerkungen an und beginnen dann mit dem Streichen und Ändern von vorne. Dabei wird gelacht und geschrieen, geschubst und geknufft. Leben streicht und Chaos schreibt um. Leben gefällt nicht, was Chaos fabriziert, streicht seinerseits und kichert sich ins Fäustchen. Woraufhin  Chaos mit Stolz geschwellter Brust befriedigt ob seiner Arbeit vor sich hinbrummt, während er das, inzwischen ziemlich unleserliche Menü, mit Kennermiene für gelungen erklärt.

Übrig bleibt die Essenz. Ein kläglicher Rest, der sich so liest:

Vorspeise - Irgendwo im Kühlschrank muss noch ein kleiner Rest von dem Ricotta liegen
Hauptgericht - Spiegeleier mit den Gemüseresten von gestern klingt ideal
Dessert - Falls mich meine Erinnerung nicht täuscht, sind noch Mandarinen übrig

Wohlgemerkt, dass alles findet nur und ausschließlich in meinem Kopf statt, meistens in Form sich überschlagender Gedanken!


Übersetzt und angerichtet


Anstatt also früh aufzustehen und voller Elan in den Tag zu starten, wurde ich viel zu spät wach. Was dem schlechten Schlaf in der Nacht und dem fehlenden Weckerklingeln zuzuschreiben war. Den Wecker hatte ich schlicht vergessen zu stellen.

Da die Einleitung mehr als ausreichend Worte enthält und ich den Spruch "Das Auge isst mit!" für äußerst zutreffend halte, serviere ich nunmehr mein mit Bildern garniertes Tagesmenü.



Vorspeise


Aus der langen Busfahrt wurde ein Spaziergang "ums Eck".

"Papa, da hat jemand was auf das Auto geschrieben!" "Ja, ich sehe es." "Warum schreibt denn jemand 'Hallo' auf ein Auto?" "Weiß ich auch nicht."
Hallo im Schnee einer Windschutzscheibe
Schade, dass dem Papa keine bessere Antwort einfiel, denn ich dachte: "Weil da jemand einfach jedem, der vorbeigeht gerne 'Hallo' sagen wollte. Vielleicht hat es ihm oder ihr einfach Freude bereitet der Welt ein freundliches 'Hallo' zu wünschen."

Was das Kind wohl den Papa gefragt hätte, wenn es den Smilie auf der nächsten Windschutzscheibe entdeckt hätte?
Mit einem Smilie wurde diese Windschutzscheibe verschönert
Diesem Wunsch schließe ich mich an.
Ein schöner Wunsch

Hauptgericht


Ein paar Grünflächen in der Stadt reichen aus, um frische Luft, Bewegung und einige Bilder zu bekommen.

Gegen den grauen verhangenen Himmel bietet der Ilexstrauch dem Auge mit seinen leuchtend roten Beeren willkommene Abwechslung.
Ilexs mit  vielen roten Beeren
Durch die weiß glitzernde Schneehaube leuchten die Beeren noch intensiver.
Ilex mit Schneehäubchen
Trotz klirrender Kälte trieb die hier seltene Schneedecke viele Erwachsene und Kinder ins Freie. Menschen tauchen auf meinen Bildern eher selten auf.
Spaziergänger im Park
Winterliche Aussicht
Gut eingepackt gegen die Kälte
In unseren Breitengraden nur sporadisch nutzbare Schlitten wurden vom Staub vergangener Jahre befreit und dienten Kindern als vergnügliches Fortbewegungsmittel. Mir begegneten viele Eltern, die sich selbst freiwillig als Zugtiere betätigten und sich vor den sprichwörtlichen Schlitten hatten spannen lassen. 
Das Kind liegt gemütlich auf dem Schlitten, während die Mutter zieht
Diese Kontraste bietet nur der Winter.
Baumstamm mit Schnee
Gezuckerte Baumrinde mit Moos
Der Baum war riesig. Der Baum war breit. Absolut unwillig sich ganz einfangen zu lassen. Das Gebüsch mit dem Zaun hinter mir erwies sich leider ebenfalls als wenig hilfreich, den Baum komplett mit der Kamera einzufangen.
Baum mit ausladenden Zweigen
Erst aus der Nähe erkennt man die Ursache der starken Farbunterschiede des Nadelbaums. Abgestorbene Äste.
Nadelbaum in grün-braun
Abgestorbene Äste mit vertrockneten Nadeln

Eingeschobenes Amuse-Gueule


Ein Appetithappen der ungeplanten Art bildete mein spontaner Abstecher in die Ausstellung einer kleinen Galerie auf meinem Weg. Die überwiegende Zahl der wenigen Ausstellungsstücke entsprach nicht meinem Geschmack, aber das ein oder andere fand ich trotzdem interessant.

Erstaunlich fand ich die an der Wand angebrachte "Drawing Machine II" von einem gewissen Belasco Rogers. Mithilfe der seltsam anmutenden Apparatur, die sich der Künstler an den Körper bindet, setzt er seine Bewegungen in Zeichnungen um.
"Drawing Machine II" von Belasco Rogers
Im Gegensatz zu dem Zeichenapparat und der Idee an sich, fand ich die entstandenen Zeichnungen nicht überzeugend.
Bleistiftzeichnungen von Belasco Rogers
Wirklich gelungen dagegen fand ich die Fotografien von Richard Rocholl. Leider gab es nur diese.
Bilder von Alleen - Richard Rocholl


Auf dem Weg zur Nachspeise


Bis zum Dessert dauerte es noch ein wenig und so verkürzte ich mir den Weg dorthin mit ein paar Aufnahmen.
Lachender Smilie und ein Herz aus Schnee auf Autofenstern
Alte Laternen verströmen ein warmes Licht, das sich im Schnee verbreitet.
Dörfliche Ansicht einer Großstadt im Winter
Warmes Laternenlicht beleuchtet den Weg
 Ein Haus mit vielen bunten Kerzen in den Fenstern.
Ein kleines Haus mit erleuchteten Fenstern
Kerzen aus Transparentpapier zieren die Fenster

Dessert


Das Café, in dem ich meinen Latte macchiato bestellte, lag zwar nicht im Park, dafür jedoch ziemlich nah an meiner Wohnung. Bisher hatte ich dort nur im Sommer einmal draußen gesessen, daher war mir der Innenraum absolut unbekannt.

Es ist klein und schnuckelig. 
Lichterketten an Wand und Fenster schmücken den Innenraum des Cafés
Liebevoll eingerichtet mit überraschenden Details.
Der Kronleuchter mit blauen Einmachgläsern und Glastropfen hängt an der Decke.
Das Beste war, dass ich den Platz direkt neben dem Kamin ergattern konnte. OK, der Kamin war nicht ganz echt, aber die Flammen flackerten dafür umso echter. Ob echt oder nicht ist in diesem Fall jedoch absolut irrelevant, denn gemütlich neben einem Feuer zu sitzen hat immer etwas sehr Entspannendes und Heimeliges.
Lodernde Flammen im künstlichen Kamin erwärmen das Herz
Ein flackerndes Kaminfeuer, ein heißer Latte macchiato und auf dem Schoß das Strickzeug mit der weichen Wolle. Mein erster Adventskalenderschal, die "Lace Winter Rose" von unikatissima, wurde im Café ein kleines Stück länger.
Mein Strickzeug und ein Latte macchiato bilden das perfekte Dessert
Mein lauschiger Sitzplatz neben dem Kamin
Einen besseren Abschluss konnte dieser herrliche Wintertag nicht haben.

Und so lautet mein Fazit für diesen Tag, dass selbst einfachste Menüs sich zu einem kulinarischen Hochgenuss entwickeln können, wenn wir bereit sind uns darauf einzulassen und es zu genießen.

Genießt die positiven Dinge, die Euch begegnen. Seien sie nun geplant oder nicht.

Ariana

P. S. Wenn das Menü gefallen hat, darf gerne etwas Sahne dazugegeben werden, wenn nicht, einfach weitergehen und ein eigenes Menü planen! 😀



© Fotos & Text by Ariana Lazar 13/01/2017

Alle Rechte vorbehalten >< All rights reserved

Donnerstag, 12. Januar 2017

Abendliches Schneetreiben in der Stadt

Das erste Mal im neuen Jahr alte Bekannte treffen und danach, nach langer Pause, wieder einmal an einem trialogischen Seminar teilnehmen. Das klingt gar nicht so übel.

Vor allem, wenn man, wie ich, in der letzten Zeit nur dann die Wohnung verlassen hat, wenn der Kühlschrank mit gähnender Leere anzeigt, dass man Gefahr läuft, eines langsamen Hungertodes zu sterben.

Zu beiden Aktivitäten drängt es mich jedoch nicht besonders. Seit Tagen fühle ich mich eher lustlos und mein Bedürfnis nach einem Treffen mit vielen, wenn auch teilweise bekannten, Menschen tendiert derzeit gegen null.

Während ich mit mir noch darüber diskutiere, ob es nicht für meine seelische Verfassung förderlicher wäre, Menschen zu treffen, anstatt zu Hause zu sitzen und mein zweites Ich darauf entgegnet, dass es durchaus ausreicht, den Kühlschrank wieder notdürftig aufzufüllen, da man dabei sowieso meistens mehr Menschen trifft, als einem lieb ist, schweift mein Blick in Richtung Fenster.

Damit ist jede weitere Diskussion obsolet! Beide angedachten Versionen bekommen eine Absage und Option Nummer drei hat mit vollen zehn Punkten innerhalb von Millisekunden gewonnen. Das heutige Tagesziel ist ausgewählt.

Es geht raus! Egal wohin, Hauptsache es gibt Schnee und ich kann lange und ganz in Ruhe das Schneetreiben genießen! Und darin rumlaufen. Und vielleicht ein paar Fotos machen. Wichtig ist nur der Schnee!

Schnee! Schnee! Schnee!


Wer es bis jetzt noch nicht gemerkt hat, ich liebe Schnee! Wenn es etwas gibt, dass es fertigbringt, mich aus tiefster Unlust zu wecken, dann ein Blick auf dicke, massenweise vom Himmel fallende weiße Flocken!

Es hat tatsächlich, für meine Verhältnisse, nicht einmal besonders lange gedauert, bis ich mich, dick vermummt, mit der Kamera im Gepäck zur nächsten Bushaltestelle begeben habe. Ein bestimmtes Ziel gibt es diesmal nicht und so steige ich irgendwann aus, laufe eine Weile eher ziellos durch die Straßen und entscheide mich dann für einen verschneiten Weg am Kanalufer entlang.

Fahrräder im verschneiten Hof
Verschneite Straßen
Läuft man während eines Schneetreibens am Kanal entlang, können stimmungsvolle Bilder entstehen.

 Beleuchtetes Restaurantschiff bei Schnee

Teilweise konnte ich vor lauter Schneetreiben kaum etwas erkennen, trotzdem habe ich jeden Moment genossen. Es sind nicht viele Bilder geworden, aber die wenigen spiegeln etwas von der herrschenden Stimmung wieder.

Im Kanal spiegeln sich die Lichter der Stadt

 Unvermutet bin ich noch auf einen großen beleuchteten Weihnachtsbaum gestoßen. 

Weihnachtsbaum mit Schnee und warmen Lichtern
Winterliche Brücke mit alten Laternen

Im Licht der verzierten Laterne erkennt man den fallenden Schnee

Drei Stunden lang bin ich durch den knirschenden Schnee gestapft. Am Ende habe ich noch glücklich einen Platz im Bus erwischt, der mich nach Hause transportiert hat.

P.S. Auf meiner Festplatte wartet ein, ursprünglich für heute geplanter, halb fertiger Blogartikel weiter auf Veröffentlichung. Der wird schon nicht schlecht werden. Hoffe ich.

Ariana



© Fotos & Text by Ariana Lazar 12/01/2017

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Samstag, 7. Januar 2017

Eine sehr persönliche Bilanz 2016

Das erste Bild 2017 - Schneetreiben vor meinem Fenster
 

Warum es hier oft still ist bzw. bleibt


Mir wurde von einem lieben Menschen nahe gelegt, doch wieder etwas im Blog zu schreiben, weil der letzte Artikel schon wieder eine Weile her ist.

Nur was? Nicht, dass es mir an Ideen mangeln würde, das Gegenteil trifft eher zu. In meinem Gehirn überschlagen sich Gedanken und Ideen und die Vielfalt der Themen, die  innerhalb von Minuten in meinem Kopf herumschwirren, erschweren mir die Auswahl.

Vor einiger Zeit fand ich irgendwo im Netz eine, wie ich finde, ziemlich zutreffende Beschreibung, wie mein Gehirn funktioniert und die lautet übersetzt in etwa so:

Mein Gehirn funktioniert wie ein Internet-Browser:
Es gibt 12 offene Tabs.
5 davon reagieren nicht.
Ein GIF wird in einer Endlosschleife abgespielt.
Und woher kommt diese nervige Musik?

Hinzufügen würde ich, dass nicht nur eine Musik zu hören ist, sondern mindestens 5 Moderatoren auf einmal ihren Senf zu einem bestimmten Thema von sich geben. Natürlich aus unterschiedlichen Perspektiven, sonst könnte es ja langweilig werden.

Nachdem nun alle Unklarheiten verstärkt wurden, wende ich mich dem nächsten Teil zu. 😉

 

Warum sehr persönlich?


Eine einfache Antwort in einem Satz gibt es dazu nicht, da die Gründe vielfältig sind.

Der/das Blog war ursprünglich anders gedacht. Statt Vielfalt gibt es hauptsächlich Fotos mit den entsprechenden Texten. Das hat mit Kuddelmuddel jetzt nicht mehr wirklich viel gemein.

Ergo soll der Kuddelmuddel sich vermehren und das schließt ein, dass es sehr persönlich wird.

Drum sitze ich jetzt hier vor dem PC,
trink statt Kaffee gut gewürzten Tee
und wackel mit dem großen Zeh!
Oder so! 😃


2016 - ein Jahr im Rückblick


So vieles, an das man sich erinnern möchte, geht verloren, weil man nirgends aufgeschrieben hat, wann was geschah. Und so bleibt dieser Jahresrückblick naturgemäß unvollständig.

Januar 2016 - Das letzte Foto von Kitty

Januar - Februar


Eine schwere Zeit mit vielen Tierarztbesuchen, die ihren negativen Höhepunkt im Februar mit der Erlösung meiner langjährigen Wegbegleiterin und Gefährtin ihren traurigen Abschluss findet. Sie fehlt und manchmal sehe ich sie aus den Augenwinkeln oder spüre, wie sie ans Kopfende des Bettes springt und sich auf ihren gewohnten Schlafplatz legt. Es wird weniger, aber die Lücke bleibt.

Jeder Monat, und sei er noch so beladen mit Kummer, bringt Schönes hervor. Im Januar 2016 war dies ein Kinobesuch mit meiner Tochter, ein abendlicher Spaziergang im Schnee, sowie die unvermutete Sichtung eines Einhorns und ein goldener Sonnenuntergang.

Sogar der Februar hatte schöne Momente, allerdings nur spärlich durch Bilder dokumentiert. Der Trost und die Hilfe meiner lieben Nachbarin bei den Tierarztbesuchen und hinterher beim Abschiednehmen war Balsam für meine Seele und bleibt unvergessen.


März


Im März führte mich eine Kurzreise zur Creativa (mehr Creativa) nach Dortmund und ein Friedhofspaziergang mit meinem Sohn überraschte mit einer Fuchssichtung.


April


Ein seltsamer Monat, denn was schön und entspannend werden sollte, und worauf ich mich bereits sehr gefreut hatte, entpuppte sich nicht nur als Reinfall, sondern zeigte mir, dass es Menschen gibt, die sich immer noch schlechter benehmen können, als das, was mir bis dahin begegnet war. Traurig, dass der Mensch, an dem mir etwas liegt, nicht sehen will, mit was für einer Person er sich da verbunden hat. Nun ja, gegen, bewusste oder unbewusste, partielle Blindheit ist jeder machtlos.

Wunderschön war es dagegen wieder auf dem Leipziger Wolle-Fest. Strahlend blauer Himmel, ein Meer aus bunter Wolle, tiefenentspannte wollverliebte Käufer und Verkäufer garantierten einen wundervollen und gelungenen Tag.

Das erste zarte Grün, die ersten Blüten des Ahorns vor meinem Fenster und die bald üppig sprießenden Blumen habe ich in Bildern festgehalten.

Es gab Möhrentorte ohne Mehl, einen Ausstellungsbesuch und Katzensitting bei meiner Nachbarin. Leider lässt sich diese Katze absolut nicht streicheln.

Der alljährliche DDPP-Kongress war informativ und hochinteressant und die, ebenfalls alljährliche, Kirschblüte ein Fest für jedes Auge.


Mai


Wenn ich einen Jahreshöhepunkt wählen müsste, würde es mit großer Wahrscheinlichkeit der Mai werden. Vier Tage Amsterdam mit meinem Großen und das Wetter zeigte sich, trotz gegenteiliger Prognose, zum größten Teil trocken und sonnig.
Vier tolle, ereignisreiche Tage in einer weltoffenen und quirligen Stadt. Alleine die Erinnerung lässt mich sehnsüchtig seufzen.


Juni-November

 
Dieser Monat war der Anfang einer Reihe von furchtbaren Monaten. Die Monate davor wusste ich ja schon, dass die Fassadendämmung im Juni mit dem Aufbau eines Gerüsts beginnen würde. Monatelang fremde Menschen vor meinen Fenstern im dritten Stock. Wenn etwas einem wahrgewordenen Albtraum nahekommt, dann genau dieses Szenario

Es wurde noch schlimmer, als ich ohnehin befürchtet hatte. Die Bauarbeiten fingen schon morgens um sieben an und gingen bis abends um sechs. Und das sechs Tage in der Woche. Nur Sonntags wurde nicht gebohrt, gehämmert, geschrien und tonnenweise ekelhafter Staub im Hof verteilt. Teilweise war der Baulärm nicht einmal mit Ohropax zu ertragen und das Leben als moderner Höhlenmensch ist nicht das, was so mancher Romantiker sich vorzustellen vermag. Moderner Höhlenmensch, das hieß schlicht, dass ich die Vorhänge erst dann aufgezogen habe, wenn ich sicher sein konnte, dass sich keine Bauarbeiter mehr auf dem Gerüst tummelten.

Für einen lärmempfindlichen Menschen, der dazu einen Großteil seiner Zeit nicht wild auf die Gesellschaft seiner Mitmenschen ist, kommt ein solcher Lebensumstand einer Folter schon recht nahe.

Dazu kamen Querelen mit der Verwaltung und das Damoklesschwert des drohenden Einbaus neuer Fenster in meiner Wohnung. Meistens mag ich Menschen, aber Fremde in meiner Wohnung, die sich dann acht Stunden lang darin aufhalten, möglichst noch ohne meine Anwesenheit, das ist etwas, von dem ich sagen kann, dass ich es verabscheue. Zutiefst verabscheue!


Juni


Jedoch hatte selbst der Juni ein paar nette Begebenheiten in petto. Lieber Besuch, schöne Spaziergange und ein selbst gepflückter Wiesenblumenstrauß vom Nachbarn gegenüber.

Juli


Im Juli sorgte der Besuch des hier stattfindenden Armutskongresses für etwas Abstand zu den Bauarbeiten. Viel zu bedenken, zu viel zu beklagen und Wege suchend, etwas an den herrschenden Zuständen zu ändern.

Ein Abendbummel über den Alex bescherte mir ein paar fantastische Fotos.

August


Einmal lustwandelnd durch den Park von Sansoussi in Potsdam. Mit dieser Einladung überraschte mich mein jüngerer Sohn und so verbrachten wir einen entspannten, schönen Sommertag in diesem Schlosspark.

Auf der Festplatte gefunden habe ich Bilder von einem Regentag unterm Sonnenschirm eines Cafés. Wolkenbruch wäre wohl die treffendere Bezeichnung für dieses Ereignis.

Ende August gab es die ersten vom Herbst rot gefärbten Blätter. Wie schnell sich die Natur verändert.

September


Der einzige Anlass, zu dem ich Bilder habe, ist ein Ausflug mit Einladung zum Essen. Es gab leckeres Steak und das Wetter war toll. Sehr oft kann ich in diesem Monat nicht unterwegs gewesen sein, denn sonst mache ich immer zwischendurch Mal ein paar Fotos.

Oktober


Den Oktober habe ich, genau wie die Monate davor, hauptsächlich in meiner Wohnung verbracht. Nur das Kürbisfest in Schöneberg konnte mich rauslocken, ansonsten gibt es zwei, drei Bilder vom Chaos in meinem Wohnzimmer, das im Vorfeld der anrückenden Fensterbauer entstand.

November


Vor dem Anrücken der Fensterbauer habe ich bei einem Besuch in Frankfurt Kraft getankt. Zwei Tage auf der Kreativ Welt in Frankfurt und mein Großer mit Freundin als Gastgeber sorgten dafür, dass ich die dann folgenden Handwerkertage besser überstehen konnte. Ein toller Ballettabend rundete meinen Frankfurtbesuch ab.

Danach dann drei Tage lang Fremde in der Wohnung und jede Menge Lärm und noch mehr Staub.
Ab da folgte das große Auf- und Umräumen. Und putzen, putzen, putzen. Ich kann mir schönere Beschäftigungen  vorstellen um meine Zeit zu verbringen.

Somit sind wir fast am Jahresende angelangt, ohne einen Rückgriff auf das Jahr 2015 wäre die Bilanz aber nicht vollständig und so füge ich diesen hinzu.

September 2015 bis November 2016


Im November des Jahres 2016 kam tatsächlich der Bescheid über die Bewilligung des Persönlichen Budgets.
Insgesamt dauerte die Bescheiderteilung ab Antragstellung auf Weiterbewilligung 14 Monate. Damit geht der Sinn des Persönlichen Budgets verloren, denn das PB war ursprünglich als schnelle und möglichst unbürokratische Teilhabeleistung gedacht.

14 Monate, das ist eine zermürbend lange Zeit! Die Beantragung dieser Leistung,  vor allem jedoch die wiederholten Termine mit immer neuen Erklärungen, die ich abliefern musste, haben mich enorm viel Kraft, Energie und Lebensfreude gekostet. Und wären nicht noch andere davon abhängig gewesen, dass ich diese Leistungen erhalte, um die Leistung, die sie selbst in der Zwischenzeit erbracht hatten, ensprechend honorieren zu können, ich hätte darauf verzichtet. Mehr als einmal war ich kurz davor das Handtuch zu schmeißen.

Was Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen im Rahmen der Beantragung des PB zugemutet wird ist unmenschlich und selbst für einen Menschen ohne Behinderung kaum zu bewältigen. Hier werden Hürden aufgebaut, die ein einst so sinnvolles Mittel zur Integration und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben von Menschen mit Behinderung in das Gegenteil verkehren.

Bei mir hatten die geballten negativen Umstände in den Monaten Juli bis November vor allem eins zur Folge: Rückzug. Rückzug in mich selbst und meine Wohnung mit nur noch geringstmöglichen Außenkontakten. Zeitweise bin ich nur für Familienangehörige erreichbar gewesen und nur durch das Internet war ich mit Menschen außerhalb dieses engen Kreises in reduziertem Kontakt. Überlebensmodus. Sicherung der puren Existenz, nicht mehr. So schlimm war es seit Jahren nicht und ich bin froh, dass diese Zeit endlich ein Ende gefunden hat.

Dezember


Ein rundum guter Monat. Der Überlebensmodus hat sich wieder in leben können verwandelt. Das erste Jahr seit Langem, bei dem ich nicht schon Wochen vor Weihnachten vor lauter Stress auf dem Zahnfleisch gegangen bin. Die meisten Weihnachtsvorbereitungen liefen relativ relaxt und stressfrei ab. Bis auf die letzten zwei Tage vor Heiligabend, aber das war erträglich.

Ein ruhiges, friedliches Fest mit viel gutem Essen, liebem Besuch einer jungen Australierin, ohne Hektik, TV und Musik, dafür mit viel reden und lachen entschädigt dafür allemal.

Und weil ich endlich einmal nur zwei statt drei Tage lang für die Unterhaltung und Versorgung der ganzen Familie zuständig sein wollte, hatte ich mich entschlossen, am zweiten Feiertag essen zu gehen. Das habe ich dann auch am zweiten Weihnachtstag mit meinem jüngeren Sohn getan und habe es sehr genossen. Ich glaube, eine neue Tradition wurde geboren, denn wie heißt es doch:

Wer die alten Traditionen nicht mag, muss sich selber neue schaffen. Oder so ähnlich.😃

Den Abschluss des Jahres bildete ein Opernbesuch mit der ganzen Familie. Diesmal stand Ballett auf dem Programm der Deutschen Oper. Der Nussknacker von Tschaikowsky.

Tschaikowsky bringt mich zu Schwanensee und Schwanensee zurück in meine Kindheit. Zum ersten Mal gesehen habe ich Schwanensee, als ich noch ganz klein war. Im Fernsehen in schwarz-weiß, als ich ausnahmsweise einmal bei meinen Großeltern übernachtete. Viel Platz gab es da nicht. Wohn- und Schlafzimmer bildeten einen Raum und zwischen der ausgezogenen Schlafcouch und der Wand zur Küche war mir ein weicher Schlafplatz auf dem Boden bereitet worden. Die Musik und das Ballett haben mich so beeindruckt, dass ich monatelang danach noch getanzt habe und unbedingt ins Ballett wollte.

Das bildet eine meiner frühesten und gleichzeitig schönsten Erinnerungen an meine Kindheit, wahrscheinlich liebe ich deshalb die Musik von Tschaikowsky so sehr.

Und so endete das Jahr 2016 für mich persönlich versöhnlich.

Als fotografischer Abschluss hier eines der letzten Bilder des Jahres 2016. Das Foto zeigt das wohl älteste Schmuckstück meines Weihnachtsbaumes. Der kleine Engel auf der Wolke hing schon bei meiner Großmutter am Baum und ging nach ihrem Tod in meinen Besitz über. Seitdem hängt er jedes Jahr weit oben in meinem Baum.

Engel mit Laterne auf einer Wolke


Randbemerkungen:
Ereignisse zu denen bereits Artikel auf dem Blog stehen, habe ich verlinkt. Bei einigen Ereignissen werde ich vielleicht noch Artikel schreiben oder Fotos hochladen.

Viele schöne Erinnerungen im vergangenen und kommenden Jahr wünsche ich mir und jedem geneigten Leser.

Ariana

© Fotos & Text by Ariana Lazar 01/2017

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Dienstag, 5. April 2016

Creativa 2016 - Kostüme, Keramik und mehr

Mäuse auf der Creativa

Erster Prolog


Entweder es passiert ewig und drei Tage gar nichts, oder die Ereignisse überschlagen sich.

Mit diesem Gefühl sitze ich jedenfalls gerade vor meiner Tastatur und wundere mich, wo zum Kuckuck die Zeit so schnell hingeflogen ist.

Die Creativa ist doch gerade erst vorbei, aber zwischendurch war noch Ostern und letztes Wochenende das Leipziger Wolle-Fest. Die dichte Zeitfolge der Veranstaltungen überfordert mich gerade etwas, vor allem, da ich ja noch Berichte über die Creativa liefern möchte und dieses Jahr auch endlich ein Artikel über das Leipziger Wolle-Fest geplant ist.

Nun ja, Bilder sichten sich nicht von alleine und auch das Sortieren, Verschlagworten und Bearbeiten nimmt eine nicht unerhebliche Zeitspanne in Beschlag. Wenn dann noch ein gewisser Anspruch an die eigenen Texte hinzukommt, hänge ich ganz schnell in einer Zeitschleife fest. Was in meinem Fall bedeutet, dass die Zeit einen Zahn oder zwei zulegt und ich hoffnungslos abgehängt im Schneckentempo hinterher kreuche.


Zweiter Prolog

Vorneweg ein paar Bemerkungen. Die Creativa in Dortmund ist riesig. Dieses Jahr waren über 660 Aussteller dort und streng genommen hat jede/r einzelne von ihnen ein Bild, eine Erwähnung oder gar einen eigenen Artikel verdient.

Zwei Tage lang bin ich durch die Hallen gelaufen, habe viel geguckt, gestaunt, bewundert, ganz tolle, intensive Gespräche geführt und eine Menge Fotos geschossen.

Was ich hier schreibe und in Bildern zeige, sind meine ganz persönlichen Eindrücke und Momentaufnahmen, die meine Interessen widerspiegeln.  Manches habe ich sozusagen links liegen lassen und für anderes fehlten mir am Ende nicht nur Lust und Zeit, sondern ein Paar nicht schmerzende ungebrauchte Füße.


Es geht los!

Der Freitag war, im Gegensatz zum sonnigen und warmen Vortag, kalt, klamm und grau. Was mich jedoch nicht weiter störte, denn ich wollte den Tag ja in den Westfalenhallen verbringen und dort bekommt man vom Wetter eh nicht allzu viel mit.

Es ging stramm auf Mittag zu und so kamen mir bereits die ersten Messebesucher  mit mehr oder weniger vollen Tüten und Taschen entgegen. Zu meinem großen Erstaunen war nur in wenigen Gesichtern ein Lächeln zu entdecken, die meisten blickten missmutig und wirkten eher übelgelaunt, als entspannt und zufrieden.

Wenigstens hatte ich gute Laune und die lasse ich mir durch ein paar griesgrämige Mienen nicht verderben.

Es war meine dritte Creativa in Folge und ich hatte mir im Vorfeld eines ganz fest vorgenommen: "Ich habe jede Menge Spaß!" Den hatte ich dann auch!

Die folgenden Bilder vermitteln nur einen ersten Eindruck.

Blumenarrangement mit Wasserfall
Es war Freitag und daher weniger voll, als ich befürchtet hatte.

Besucherstrom in Halle 4
Wolle ist eines der Materialien, die mich magisch anziehen. An weicher Wolle komme ich einfach nicht vorbei.

Messestand mit Stoffen und Wolle
Wolle und Tücher
Besonders gefallen hat mir die Präsentation dieser kleinen liebenswerten modellierten Engel mit den zarten echten Federn.

Federleichte Engel und Herzen

Kostüme, Kostüme, Kostüme


Einen ersten Höhepunkt bildeten die Kostüme im Stil des 18. Jahrhunderts,  die im Rahmen der Sonderschau „Fantasia in Costume“ in Halle 4 in der Nähe der Aktionsfläche zu bewundern waren.

Die Kostüme stammen aus dem Atelier "Costumi", das in Bielefeld beheimatet ist. Mit seiner gleichnamigen Kostümgruppe hat das Team um den Künstler Horst Raak bereits mehrfach den ersten Preis beim „Carnevale di Venezia" im internationalen Wettbewerb „La maschera più bella“ für seine außergewöhnlichen Kreationen erhalten.

Die fantasievollen Gewänder waren teilweise nur schwer zu fotografieren, da sie mit farbigen Scheinwerfern beleuchtet wurden und damit eine farbgetreue Wiedergabe kaum möglich ist. Mein Versuch die Namen bzw. Bezeichnungen für die verschiedenen Kostüme zu recherchieren, hat sich leider als ziemlich schwierig, aufwendig und teilweise unmöglich herausgestellt.

Venus - Kostüm
Das Fabergé Kleid war durch den farbigen Scheinwerfer nur mit starker Goldfärbung abzulichten.

Fabergé Kleid
Das reich verzierte Pfauenkostüm für den Herrn von Welt.


Die Nahaufnahme der Weste zeigt die reiche Verzierung im Detail.


Ein wahres Prachtstück ist der Umhang mit den Pfauenfedern als Kragen und der reichen ornamentalen Stickerei, die man auf der Nahaufnahme noch besser erkennen kann.



Der Helm des Mars war gar nicht so leicht einigermaßen naturgetreu mit der Kamera einzufangen.

Helm des Mars
Hut mit Auerhahn
Die Schaf-Kostüme hatten es mir angetan!

Herr Schafbock
Der Hut des Schafherren zeigt neben Blütenzweigen eine Maus mit Sonnenschirm
Frau Schaf
Kopfbedeckung von Frau Schaf
Richtig verliebt habe ich mich in die liebevollen Details dieser Kopfbedeckung! Wie man auf dem vorigen Bild gut sehen kann, stammt der dicke Faden vom Fell des Schafes, wird von der einen Maus heraufgezogen und die andere Maus verspinnt das Fell zu Garn. Absolut bezaubernd! Alleine dafür hätte sich die Reise zur Creativa schon gelohnt.

Spinnende Mäuse haben auf dem Hut der Schafdame Platz genommen
Wer mehr Bilder von diesen und anderen Kostümen sehen möchte, dem empfehle ich, neben der Website noch die Facebook-Seite von Costumi.

Gegensätze


Der Übergang von Kostümen zu Schallplatten, die im Scherenschnittlook daherkommen, ist normalerweise nicht ganz einfach. Hier musste ich nur ein paar Schritte weitergehen und konnte dann diese tickenden Wandschmuckstücke bewundern.

Schallplatten im Scherenschnittlook
Ob ein Porträt von Jimi Hendrix, ein Taucher oder Elvis im Profil, hier scheint alles möglich.


Ein paar Schritte weiter lachte mich dieser Spruchstein mit seinem Mosaik an. Den  habe ich extra für einen ganz besonderen Menschen fotografiert. Mehr schreibe ich dazu nicht, die Adressatin weiß schon, an wen ich beim Knipsen des Fotos gedacht habe.

Spruchstein mit Blattmosaik
Seit vielen Jahren bin ich ein Fan von Tiffanytechnik. Die leicht gebogene Form der Vasen im Zusammenspiel mit runden und geometrischen Formen ergibt einen harmonischen Gesamteindruck.

Mein Lieblingsteil ist hier die blaue Version, nicht nur, weil blau eine meiner Lieblingsfarben ist, sondern weil das gewählte Glas mit den farbigen Wellen der Vase zusätzlichen Reiz verleiht. Der Stand des Stuttgarter Tiffany-Glascenters ist jedes Mal einen Besuch wert.

Moderne Tiffanyvasen
Viele interessante Objekte konnte man am Stand der Korbflechterei von Margret Schiffer bewundern. Beobachtet habe ich dort diese Messebesucherin, die sich an einer Gartenkugel versuchte. Das Foto entstand mit ihrer ausdrücklichen Erlaubnis.

Korbflechereien

Kunsthandwerk zum Staunen


Die nächsten Bilder zeigen sogenannte Gräsersteine aus der Werkstatt von Hanna Küttner. Nur wenn man die vermeintlichen Steine in die Hand nimmt, merkt man durch das fehlende Gewicht, dass das unmöglich echte Steine sein können! Die "Steine" sind nämlich aus Ton und zudem noch hohl. Die verwendete Glasur täuscht nicht nur in der Optik einen Stein vor, sondern ahmt auch die Haptik eines Steins nach.

Gräserstein mit Ranunkeln
Toll an diesen Gräsersteinen ist, neben der Optik, die Tatsache, dass sie kleine Löcher besitzen und hohl sind. Dadurch sind sie wunderbar geeignet, um kleine und kleinste Gräser und Blüten aufzunehmen. Füllt man den Hohlraum mit Wasser, besitzt man eine ungewöhnliche Vase, die der Blickfang jeder ansonsten schlichten Deko wird.

Gräserstein mit Schneeglöckchen und Keramik-Elchen
Töpfern gehörte eine längere Zeit ziemlich intensiv zu meinem Alltag und so hat mich die Frage nach dem Geheimnis der Glasur selbst am Abend noch umgetrieben. Eine Idee hätte ich ja, aber die behalte ich dann doch lieber für mich.

Die intensive Beschäftigung mit den schönen Teilen führte dazu, dass ich mir am nächsten Tag unbedingt einen der Gräsersteine kaufen und mit nach Hause nehmen musste.
Stein mit kleinen blauen Blüten
Wem ich jetzt Lust auf mehr gemacht habe, der sollte sich auf der Seite Gräserstein einmal umsehen.

Schon voriges Jahr haben mich die Arbeiten des Keramikers Karl Dieter Horn fasziniert. Seine Arbeiten sind geprägt von der Liebe zum Detail, sei es einer seiner Brunnen oder die liebevoll inszenierten 3-D-Wandreliefs, die den Betrachter durch die Gestaltung regelrecht in die Szene hineinziehen.

Bepflanzter Keramikbrunnen mit Dorfszene
Auch dieses Jahr stand ich wieder gebannt vor seinen 3-D-Arbeiten und so lud er mich zu einem Gespräch ein. Das wurde dann ziemlich ausführlich, sodass er mir den zweiten Stuhl an seinem Tisch anbot, den ich gerne dankend annahm. Eins führte zum anderen und so erfuhr ich nicht nur, dass er 12 Jahre in Berlin gelebt und gearbeitet hat, sondern ich bekam auch den dicken Ordner mit Bildern seiner zahlreichen Projekte in die Hand gedrückt.

3-D-Schlucht
Wer, wie ich, neugierig auf weitere Bilder seiner Arbeiten ist, sollte unbedingt in der Galerie seiner Homepage Horn-Keramik-Kunst stöbern. Es lohnt sich!

Das folgende Bild habe habe ich auf der Creativa 2015 gemacht und zeigt wie detailreich die Reliefs sind.


Für ein paar Minuten habe ich sogar seinen Stand gehütet, da der Künstler einem dringenden Bedürfnis nachgehen musste, was nicht leicht fällt, wenn man alleine am Stand ist.

Kaffeepause und eine unvergessliche Begegnung


Danach war ich überreif für eine Kaffeepause und ein Blick auf die Uhr zeigte mir dann, dass ich über drei Stunden nur in dieser ersten Halle zugebracht hatte.

Was auf der Creativa wirklich Mangelware war, waren ausreichende Sitzplätze, von schönen Sitzplätzen will ich erst gar nicht anfangen! Das Café mit der besten Aussicht bietet meiner Meinung nach, das in Halle 4, von dem man den einzigen Blick von oben auf das unten stattfindende Gewusel bekommt.

Dort begab ich mich hin, was gar nicht so einfach war, denn die nach oben führenden Treppen waren dicht besetzt mit müden Besucherinnen. Schlussendlich schaffte ich es doch und bekam meinen heiß ersehnten Latte macchiato.

Schon auf dem Weg zur Theke war mir klar, dass ein ordentlicher Sitzplatz kaum zu ergattern war. Jeder Platz war besetzt und wer einmal saß, stand bestimmt nicht so schnell wieder auf.

Von Natur aus mit einem unverbesserlichen Optimismus ausgerüstet, machte ich mich bewaffnet mit meiner Kaffeetasse auf die Suche nach einer Sitzgelegenheit. An einem Tisch mit einem älteren Paar schien noch ein Platz frei zu sein, die Frau wirkte sympathisch, also nichts wie hin und gefragt.

Tüten und Jacke wurden bereitwillig beiseite geräumt, ich setzte mich und die berührendste Begegnung meiner Reise nahm ihren Anfang.

Die Frau neben mir war größtenteils in Schwarz gekleidet, ihr geschmackvoller, auffälliger Silberschmuck und ihre knallroten Haare waren jedoch nicht das Erste, was mir an ihr aufgefallen war. Es waren ihre Augen! Augen voller Lachen und ein Strahlen, dass tief aus ihrem Inneren zu kommen schien.

Es war Sympathie auf den ersten Blick. Auf beiden Seiten.

Im dann folgenden Gespräch erfuhr ich einiges über den Menschen neben mir.

Diese Frau strotzte geradezu vor Positivität, es kroch aus allen ihren Poren, saß in ihren Augen und lachte um ihren Mund. Dabei schien das, was sie mir erzählte, nicht unbedingt dazu zu passen. Sie hatte Krebs, dünne Stellen in ihren Haaren zeigten noch die Spuren der letzten Chemotherapie. Sie trug die kurze gefärbte Mähne stolz, wie einen Siegespokal.

Ich erfuhr, dass sie eine künstliche Blase hatte und nur noch wenig Darm. Sie durfte kaum etwas essen oder trinken, aber sie ließ sich nicht unterkriegen und rang dem Leben ab, was sie konnte. Alles mit einem Lachen. Sie kaufte auf der Creativa die Zutaten für ihren Schmuck. Nein, nicht nur für ihren, sondern auch für den Schmuck der Krebspatientinnen, für die sie regelmäßig einen Kurs anbietet. "Weil ich möchte, dass sie Spaß an etwas haben und den Krebs für eine Weile vergessen können." sagte sie.

Einer ihrer ersten Sätze war: "Ich liebe Menschen!" und das spürte man bei jedem Wort. Endlich jemand, der, außer mir, diesen Satz sagt! Wir haben uns lange sehr intensiv unterhalten und dabei extrem viel gelacht. Was für eine wahnsinnig interessante und positive Frau. Voller Energie und bis zum Überquellen voll mit Liebe!

Als wir uns trennten, meinte sie: "Vielleicht sollte diese Begegnung heute sein." Meine Antwort war: "Nicht nur vielleicht, sondern ganz bestimmt!"

Ich habe dieses Treffen sehr genossen! Trotz aller Unterschiede hatten wir einiges gemeinsam. Ihr Mann war überwiegend still, bei zwei lebhaften Frauen, war es wahrscheinlich auch nicht einfach, zu Wort zu kommen. Dass er seine Frau bewunderte und liebte, hätte aber selbst ein Blinder sehen können.

Diese Begegnung mit der unbekannten fröhlichen Frau hat meine eigenen Batterien wieder positiv aufgeladen und ich erinnere mich gerne daran. Selbst wenn ich diesen Menschen nie mehr wiedersehe, das Gespräch mit ihr, werde ich nie vergessen.

Solche Momente im Leben sind selten und kostbar, und ich bin dankbar, dass ich ihn erleben durfte.

Letzte Blitzlichter


Blitzlichter deshalb, weil ich die letzte Stunde wirklich nur noch durch die Hallen gegangen bin, ohne viel wahrzunehmen. Mein Speicher war voll und so konnte nur noch Weniges meine Aufmerksamkeit für mehr als zwei Minuten erregen.

Witzig fand ich die maßstabsgetreue Ausführung dieses Webstuhls en miniature. Als Tischwebstühle wurden diese Miniaturausgaben in den 50er Jahren nach Amerika exportiert. Für den dortigen Markt wurden damals, so wurde mir am Stand des Weberei-Museums Kircher erzählt, etwa 1000 Stück der kleinen Webrahmen hergestellt.

Die Dame am Stand war sehr freundlich und hat, damit ich ein besseres Foto machen konnte, sogar das Schildchen mit der Aufschrift "Bitte nicht berühren" von dem Tischwebstuhl entfernt. Überhaupt war man dort sehr kooperativ und gerne bereit meine Neugier zu befriedigen.

Miniatur-Webstuhl
Die schwebenden Garnkugeln habe ich nur fotografiert, weil ich die Präsentation gelungen fand. Der schwarze Samt im Hintergrund und die Beleuchtung mit Schwarzlicht bringt die gehäkelten Objekte gut zur Geltung.

Schwebende Häkelkugeln
Der umstrickte Telefonhörer gehörte, wie die Garnkugeln, zu einer Ausstellung künstlerischer Arbeiten von Studierenden des Fachs Textil der Universität Paderborn.

Riesiger, mit roter Wolle umstrickter Telefonhörer
Zu den Bildern der wirklich tollen Filzarbeiten fehlen mir leider nähere Informationen, da ich zu der Zeit nur noch eines wollte, nämlich den Ausgang finden.

Das Vogelkostüm war größtenteils gefilzt
Der Kopf des Vogels war nur durch die Schräghaltung der Kamera in seiner ganzen Pracht und Schönheit auf die Platte zu bannen.

Kopfansicht des Phantasievogels
Sehr naturgetreu in Filz umgesetzt wurde diese Seerose auf ihrem Blatt.

Gefilzte Seerose auf ihrm Blatt
Den ersten Tag beendet, zumindest fotografisch gesehen, dieses stimmungsvolle Bild mit Bananenblatt und Kerzensand.

Kerzensand im Bananenblatt und drumherum
Nach dem Besuch der Creativa habe ich mir nur noch irgendwo ein paar hart gekochte Eier, Quark und Bananen besorgt. Das bildete mein Abendessen, für mehr war ich zu müde. Nachdem mein Hunger gestillt war, bin dann auch prompt beim Fernsehen sanft eingeschlummert.

Es hat hoffentlich nicht gelangweilt, weil es diesmal sehr lang geworden ist, sondern es wurde ein wenig von dem weitergegeben, was ich an diesem Tag geschenkt bekommen habe.


Ariana


© Fotos & Text by Ariana Lazar 05/04/2016

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